 haben wir in unserm System
nicht. Einzelne Teoretiker wollten den Ton zwischen A und B setzen und, mit dem
vollkommenen Dreiklang verbunden, als einen besonderen nicht dissonirenden Accord
einführen; aber das musikalische Europa scheint ihn bis jetzt als eine
matematische Grille zu verwerfen. Vielleicht wird er noch von einem großen
Meister zum Ausdruck einer passenden Empfindung gebraucht (des Moments zum
Beispiel, wo eine schöne Seele in der Wahl steht, ob sie zur Sünde übergehen
will, oder nicht); wenn er nicht schon oft aus Instinkt von gefühlvollen Sängern
und Sängerinnen gebraucht ward.«
    »Tartini, welcher ihn die konsonirende Septime nannte, und nach ihm
Kirnberger18, glaubten, er könne in Melodie und Harmonie dienen. Rameau aber
nannte diese 7 einen verlorenen Ton, und schloss ihn von der Harmonie aus.«
    »Das Verhältnis von 6 zu 7, zum Beispiel von dem eingestrichnen G zu einem
Ton zwischen dem eingestrichnen A und B, der zum eingestrichnen C weder die
übermäßige Sext (welche sich dazu wie 1/2 2/2 8/5 verhält), noch die kleine
Septime wäre, die in dem Verhältnisse 9/16 mit diesem Tone steht; ingleichen das
Verhältnis von 7 zu 8 fällt also weg, und die erste Dissonanz fängt in dem
Verhältnisse von 8 zu 9 an, welches die große Sekunde, das zweigestrichne C zum
zweigestrichnen D, ausmacht.«
    »Alle Teile einer Saite kommen bei dem Anschlag oder Strich nach und nach,
mit der gesammten Bewegung auch in einzelne; bei langer Dauer vom Ton des großen
C kann sich endlich das viergestrichne C hören lassen; und dieses Nach-und
Zusammentönen macht den Klang aus.«
    »Die Quinte, Quarte, Terz und Sext brauchen zu ihrer harmonischen Fülle nur
Einen Ton; daraus entsteht der Dreiklang mit seinen Verwechselungen: die
keuscheste Vereinigung von Konsonanzen, bei welcher nichts zu viel und nichts zu
wenig ist.« -
    »Der Dreiklang mit der großen Terz und reinen Quinte, der so genannte harte,
ist der Ausdruck von Vollkommenheit, Schönheit, Stärke; welche von so vielerlei
Art sein kann, als Wesen in der Natur und Kehlen und Instrumente vorhanden sind.
Alles kann dadurch ausgedrückt werden, wenn es in Vollkommenheit hat, was es
haben soll; sowohl das Angenehmste: Vereinigung, Aussöhnung zweier Liebenden;
als das Furchtbarste: der Tod.«
    »Der Dreiklang mit der kleinen Terz und reinen Quint, der so genannte weiche
, drückt geringere Vollkommenheit und Stärke aus; es fehlt zum glücklichen
Ganzen etwas, dem Weibe der Mann, dem Manne das Weib: Sehnsucht, Zärtlichkeit,
Traurigkeit von allerlei Art; eben deswegen aber zuweilen auch tieferes Gefühl,
als der harte.«
    »Der verminderte Dreiklang, wo zur kleinen Terz noch die falsche Quinte
hinzukommt
