, aus Barmherzigkeit! sage mir nicht, dass der Undankbare dir das Leben nahm,
der es von dir erhielt.
35 Empfange das letzte Lebewohl, lass mich nicht so! Ach, wie vielmal, o Gott,
soll ich Armer an diesem Tage sterben!
36 Teurer Schatten, der du herumschwebst, weine nicht, halte mit Klagen ein.
37 Die Hoffnung grünt mir wieder im Busen; meine Standhaftigkeit hat den Sieg
davon getragen; ich eile zum Triumphe.
38 Wozu mich entschließen? Was kann ich tun? Ich verzehre mich in Tränen,
verlange zu sterben, und der Schmerz vermag nicht mich zu töten.
39 Du weißt die ganze bittere Geschichte einer unglücklichen Familie.
40 Hör' unsre Klage, das Aechzen, das Seufzen, o Schatten, der du hier am
traurigen Scheiterhaufen schwebst! und wandle dann glücklich in den Schoss des
ewigen Friedens.
41 Teurer, zärtlicher Schatten, ach, warum eilst du zu deiner Ruhe, und ich
bleibe hier?
 Heiter wirst du der Wonne in den seligen Wohnungen genießen, wo weder Zorn noch
Schmerz hinlangt, weder Zorn noch Schmerz! wo ewige Vergessenheit jede
sterbliche Sorge einhüllt. Unter den väterlichen Umarmungen wirst du weder an
meine Tränen denken, noch an diesen verhassten Sitz des Leidens.
Teurer zärtlicher Schatten, ach! warum eilst du zu deiner Ruhe, und ich bleibe
hier?
42 Ich bleibe, um immer zu weinen, wo mich das harte Schicksal von einem Grauen
ins andre leitet. Ach warum erscheint, die Tränen zu enden, holdselig der Tod
für mich noch nicht!
43 Mozart starb, so sehr er auch bewundert wurde, in Armut und Dürftigkeit. Der
alte Haydn, der Jubel aller Konzerte in Europa, erwirbt sich seinen Unterhalt in
London.
44 Mozart hat, von dieser Ouvertüre entzückt und bezaubert, einen Schluss dazu
gemacht, ganz im Geiste Glucks, und wirklich erhaben, zum Triumph über alle
Symphonien in Konzerten, die Haydnischen nicht ausgenommen.
45 Man wird sogleich sehen und fühlen, was ein Sophokles, selbst im
Französischen, und ein Gluck mit einander hätten bewirken können. Jener würde
sich von der ganz unnützen eingebildeten Form der Jamben gar nicht haben stören
lassen.
46 Die Franzosen lassen sich dies leicht gefallen; dans nos chants, heißt es bei
ihnen, la valeur des notes détermine la quatité des syllabes.
47 Es ist, leider! auch nichts davon zum Vorschein gekommen, und alles mit ihm
begraben worden.
 
                                 Dritter Teil
 Im nächsten Konzert wurden die göttlichen Szenen der Antigone von Traetta
aufgeführt; und Alle hielten sie für die höchste Vollkommenheit der Kunst. So
ganz sich und alles um sie her vergessend hatte man Hildegarden noch nicht
gesehen: sie war leibhaftig die erhabene zärtliche Griechin,
