 Mädchenkopf. Nun
die Worte, welche diese Handlung ausdrücken: ich schlug, ich sprang, ich
schritt, ich küsste sie. Die Form kommt ganz mit der Bewegung überein.«
    »Dem Jamb folgt der Anapäst -, und der vierte Paion -. Die Kraft wird
mächtiger bewegt: von dem Gebirg' in das Tal herab zu der vertilgenden
Schlacht.«
    »Gluck geht mit seiner lebendigen Kunst in der Arie des Achilles noch viel
weiter, bei
                 - -
                Kalcas d'un trait mortel percé;
man hört und sieht den Wurfpfeil fliegen, und mit fürchterlicher Gewalt
durchbohren.«
    »Die diesen entgegen gesetzten Füße haben nichts Angreifendes, und sind
furchtsam, schüchtern, zärtlich, weichlich, freudig, oder auch sicher und
majestätisch; Kraft im Genuss ihrer selbst und des Lebens; und so weiter.«
    »Die Sylben und Wörter der Sprachen sind wahrscheinlich erst nach bloßen
Tönen entstanden und erfunden worden; und so scheint auch der Vers seinen
Ursprung der Melodie zu verdanken zu haben. Für das epische Gedicht hat ihn
hernach schon die verstärkte Aussprache eingeführt. Eine gewisse Harmonie des
Zeitmaasses erleichterte nicht allein die Anstrengung der Stimme, sondern machte
auch den Vortrag fasslicher und gefälliger.«
    »Der Vers richtet sich nach der Verschiedenheit der Sprachen, und nach dem
Inhalt und Umfang des Ganzen.«
    
    »Die Stammsylbe, das Wesentliche des Worts, erfordert zwar an und für sich
längere Dauer, als die Nebensylben; doch kann die Natur des Dinges, die
Beschaffenheit und das Verhältnis desselben zu andern, in der Verbindung sie
äußerst kurz machen.«
    »Der Reim in den neueren Sprachen ist meistens nur ein sinnliches Zeichen des
vollendeten Zeitmaasses.«
    »Eben weil der Vers ein größeres Zeitmaass als ein Fuß sein soll, muss er aus
mehreren Füßen bestehen; und so eine Strophe aus mehreren Versen.«
    »Die Teile der längsten Taktarten, und die Sylben aller Füße, lassen sich,
wie jede Zahl, auf gleich oder ungleich zurück bringen; jedoch nicht auf ein
Maß von zwei oder drei. Es gibt so erhabene Gefühle und Gegenstände, für die
ein solches zu kleinlich wäre, wenn man es merkte. Sogar die längsten Taktarten
sollten bei hohen lyrischen Szenen nur hörbar sein, wie Geripp in lebendiger
Schönheit erscheint.«
    »Obgleich die Worte der Opern im Italiänischen und Französischen fast
durchaus Jamben sind, so kommen doch alle Füße der Griechischen Poesie darin
vor: aber nur wild und von ungefähr, nicht durch die Kunst für sichre Wirkung
gebildet; welche höherer Genuss und Verstand mit der Zeit doch wieder einführen
wird45.«
    »Der Jambische Vers der Griechischen Schauspiele bestand aus sechs Füßen. Im
zweiten, vierten und sechsten Fuße musste der Schwung des Jambos immer rein
herrschen;
