 Iphigénie pût oublier sa gloire et son devoir? ils lui
sont plus chers, que la vie.«
    »Gluck hat dies ganz trocken und flüchtig behandelt, weil es nicht wohl zur
höheren Kultur der Französischen Iphigenia passte, bei der, so wie bei der Mutter
und dem jungen Helden, man zu deutlich merkt, dass sie nicht an die Gottheit der
Diana glauben.«
    »Das unschuldige, so tief eindringende: N' oubliez pas, qu' Iphigénie, digne
d'un moins funeste sort, pour seul chérissoit la vie, in der Arie, treibt den
Achill zur Wut. Er verlässt sie mit den Worten: Kalcas d'un trait mortel percé
sera ma première victime; l'autel preparé pour le crime par ma main sera
renversé. Et si dans ce désordre extrème votre père offert à mes coups frappé
tombe et périt lui même, de sa mort n'accusez que vous.«
    »Die Melodie dazu hat Flug und Feuer des Blitzes; und die Harmonie von
Trompeten und Pauken, Hörnern, Flöten, Hoboen und Geigen die fürchterlichste
Grausamkeit und Stärke der Schlacht zu Mord und Verderben.«
    »Diese Arie entzückte und riss alle Offiziere und Chevaliers hin, und
entschied Glucks Sieg.«
    »Das Schauspiel wird dann immer ergreifender. Man bringt Iphigenien, unter
den Chören von Abteilungen der Armee, zum Altar am Meere; und als sie geopfert
werden soll, erscheint Achill mit seiner Schaar. Diana und ihr Priester besinnen
sich eines Bessern, und alles geht glücklich aus. Nach einem erfreulichen mit
Chören abgewechselten Ballet, krönt das Ganze ein wilder Kriegsgesang in der
heroischen Stärke von lauter Oktaven; und Hörner und Trompeten schmettern in
Rache schnaubenden Anapästen den Beschluss.«
    »Gehemmte Gewalt, und dadurch leidende Unschuld, mit zärtlichen Klagen und
wilden Ausbrüchen heroischen Feuers sind das Wesentliche dieser Oper. Das
Treffendste, was Musik für solchen Ausdruck vermag, hat Gluck in verschiedenen
Meisterstücken geleistet. Das minder Wesentliche und Gewöhnliche ist zuweilen
sehr trocken und nachlässig; aber man muss wenig Opern kennen, wenn man ihm
allein dies so hoch anrechnen will. Überhaupt brechen die Italiänischen Formen
hier und da wieder hervor.«
    Hildegard hatte das Ganze noch nie so sinnlich vor sich gehabt, und gab
Lockmannen ihr Wohlgefallen mit Blicken zu erkennen. Der Mutter selbst war es
die angenehmste Unterhaltung; sie hörte aufmerksam zu, und ward tief gerührt von
beider Gesange. Nur meinte sie, dass die Rolle der Klytämnestra so wohl vom
Dichter als vom Tonkünstler vernachlässigt sei; und jene hielten ihr Urteil für
gegründet.
    Lockmann fuhr alsdann fort und sagte:
    »Worin sich Gluck noch von Andern unterscheidet, ist die innere Form seines
Takts, die einen ganz eignen Reiz hat.
