 stilo stretto
wie Griechisch. Eben so das folgende Rezitativ und der folgende Chor.«
    »Der Gesang der Alceste in F dur, mit der prächtigen Begleitung von
Schalmeien und Posaunen: Vesta, tu che fosti, gibt ihrem Charakter Heroismus.
Dazwischen wieder der Chor, O come rapida, schön zur Abwechslung.«
    »Das Oh casto, o caro nuzial mio letto, ist göttlich heiter und keusch, von
Posaunen, Schalmeien und Englischen Hörnern begleitet. Der Chor: Kosi bella,
cosi giovane, vortrefflich wiederhohlt.«
    »Der Abschied von den Kindern hat viel Schönheiten; aber der Gang des Ganzen
scheint dadurch aufgehalten zu werden. Wenn eine junge schöne Schauspielerin
diese Szene bis zur Täuschung bringen kann, so ist sie doch vortrefflich. Der
Übergang von der verkleinerten Septime in die Sextquarte, bei e lasciarli nel
pianto cosi, ist glänzend und reizend. Oh come rapida, schließt den zweiten Akt
sehr gut.«
            Dritter Akt.
»Die erste Szene ist durchaus schön; Admets Situazion in Rezitativ, und Arie
vortrefflich dargestellt.«
    »Aber gewiss wird die Handlung endlich langweilig. Wenn Admet ohne seine Frau
nicht leben kann, so hilft ihm eben ihr Tod nichts, und das Ganze wird eine
Ziererei. Er muss gern leben, und das Leben und den Genuss der Welt lieber haben,
als sie selbst; sie hingegen soll ein reizendes Beispiel von ausschweifender
Leidenschaft der Liebe sein, die man bei ihrem Geschlecht sehr süß und angenehm
findet. So wird alles ordentlich, und gewinnt natürliche Haltung.«
    »Szene 2. 3. bittet sie ihn, ihr zu schwören, dass er nicht wieder heiraten
wolle; im Euripides stehen die Gründe, warum. Die Musik erhält sich durchaus im
tragischen Charakter. Dann kommen die Todesgötter, fordern und nehmen sie mit
sich unter feierlichen und schauerlichen Chören.«
    »Admet will sich das Leben rauben. Apollo erscheint in Sonnenstrahlen, und
bringt Alcesten in lichten Wolken; die Götter wollten so große Liebe nicht
zerstört wissen.«
    »Diese Oper ist voll einzelner schöner, reizender, erhabner Formen, die sich
nach und nach zu einem mannigfaltigen majestätischen Ganzen erheben. Der
Gedanke, sich über die alten Vorurteile wegzusetzen, ist kühn mit viel Genie
und Kunst ausgeführt; und sie macht in der Geschichte der Musik Epoche.«
    »Was sie von allen vorigen unterscheidet, sind die breiten Massen zu einem
großen Ganzen, und das Gediegene.«
    »Gluck erreicht dies hauptsächlich durch die Chöre, welche durch
Wiederholung die Recitative und Arien binden; durch den immerwährenden stilo
stretto, wo man nur auf Poesie und Inhalt geheftet wird; durch die blasenden
Instrumente, von welchen er einige ganz neu einführt; (überhaupt hat noch kein
Tonkünstler die
