 Damen! Ihr schöner Eifer entzückt
mich. Die Wörter Zeichnung, Kolorit, und Helldunkel, womit so viel gespielt
wird, dienen nur, wie alle Gleichnisse, die Sache sinnlicher zu machen. Kolorit
soll nur lebendig anzeigen; und Licht und Schatten das Leben in der Natur rund
herum. Dichter und Komponist vermögen dies nur anzudeuten; eine Hildegard, ein
Marchesi, mit einem Le Brün, einem Viotti u.s.f. stellen es in hohen lyrischen
Situazionen eigentlich allein dar, und Dichter und Komponist liefern dazu nur
die Materialien.«
    »Auch die Schauspielkunst, und die Singkunst,« sagte Hildegard, schon an der
Treppe im Hause zum Musiksaal, »sollen nicht den ersten Rang erhalten, sondern
diejenigen, welche die höchste gebildete Stärke, die erhabenste Menschheit
haben, und sie zum Nutzen und Vergnügen der Gesellschaft anwenden.«
    Sie hohlte dann sogleich die Alceste von Gluck herbei. Lockmann setzte sich
ans Klavier, und fing an darüber zu reden.
    »Die Fabel der Alceste ist ganz in die Griechische Religion verwebt, und für
unsre Zeiten bleibt davon nur das Allgemeine übrig, dass eine Frau für ihren Mann
sterben will, und für so viel Liebe begnadigt wird.«
    »Euripides, Schüler und Freund des Sokrates, hat bei dieser Gelegenheit ein
Stück Moral aus dem wirklichen Leben aufgestellt. In seinem Drama herrscht eine
außerordentliche Stärke von Verstand. Nur kann man eben nicht sagen, dass er in
der Szene des Admet mit dem Vater den Grazien huldigte; vielmehr scheint Timon
selbst sie hineingebannt zu haben. Aber er wollte die menschliche Natur in ihrer
Blöße zeigen.«
    »Das Ganze ist bei dem Griechen ein Spiel des Apollo, der den Parzen das
Leben des jungen Königs für ein andres abdrängt, weil dieser ihn nach seiner
Verbannung aus dem Himmel, als Hirten, so edel aufgenommen hatte. Alceste konnte
nicht wohl anders handeln, ohne nach dem Tode des Gemahls ein schmähliches Leben
zu führen. Der Meister im Tragischen lässt sie von Schritt zu Schritt alle
Bitterkeit fühlen, dass sie, von Pflicht genötigt, in der Blüte der Jugend und
Schönheit aus dem höchsten Wohlleben von ihren zarten Kindern scheiden muss. Die
harte Rolle beider Gatten wird für den Zuschauer gleich anfangs durch die
Ankündigung der Rettung gemildert; und Herkules erscheint am Ende, als Bezwinger
selbst des Todes.«
    »Kalsabigi hat für unsre Zeiten und die Oper nur wenig von dem Griechischen
Drama beibehalten; doch ist dies Wenige vielleicht schon zu viel. Bei den
Griechen bewirkte der Glaube an das Wunder die Täuschung, welche bei uns im
Ganzen nicht mehr statt findet; nur einzelne schöne für die Musik sehr ergiebige
Szenen können daraus hervorspringen.«
    »Die Symphonie kündigt eine große Begebenheit erhaben und eigen
