 und die Fuge: Preis und Anbetung und Ehre und Macht sei
ihm, der da sitzet auf seinem Thron; im schönsten natürlichsten Thema zur
Declamazion, Larghetto; sie zeigt recht die allerstärkste Gewandtheit in dieser
Form. So wie gleich darauf die Fuge: Amen, allegro; welches einen mutigen
wilden stürmischen Beschluss macht.«
    »Die wahre Musik ist nur Eine, so lange der Mensch seine Natur, und die
Accorde, Konsonanzen und Dissonanzen ihr ewiges Verhältnis behalten. Sie ist
dieselbe bei dem Miserere von Allegri, und bei Leo, Pergolesi, bei Hasse,
Traetta, Jomelli, Majo; Händel, Gluck; nur bei den letztern von mindrer
Schönheit und Mannigfaltigkeit, als bei den Neapolitanern. Sie geht überall auf
den Zweck los, den Sinn der Worte und die Empfindung in die Zuhörer
überzutragen, so leicht und angenehm, dass man sie selbst nicht merkt; und das
Ohr, wo möglich, dabei zu bezaubern.«
Um neun Uhr ging er in den Konzertsaal. Alle waren schon da versammelt. Wie ward
er aber überrascht, als Hildegard, ganz zur Andacht weiß gekleidet, nur eine
kaum aufgeblühte Rose in den schönen blonden Locken, unter den Sängerinnen
hervortrat und ihn mit diesen Worten anredete: »Auch ich bin gekommen, mich in
die hohe Kunst, als eine gehorsame Schülerin von einem so vortrefflichen Meister
einweihen zu lassen, wenn er meine Stimme und geringen Fähigkeiten würdig genug
dazu findet.«
    Lockmann antwortete ernstaft darauf: »Gehorsamst bitten wir vielmehr um
Ihren guten Unterricht, gnädiges Fräulein, bei der Aufführung des Meisterstücks
von unserm großen Landsmann, der die himmlische Kunst so entzückend unter die
Britten verpflanzte, dass noch jetzt seine Melodien und Harmonien ihm wie einem
Heiligen in ihren Tempeln widerhallen. Von den Jubelorkanen, Donnerwettern,
Niagarakatarakten in Westminster können Sie hier freilich nur einen äußerst
schwachen Nachlaut hören.«
    »O, ich glaube nicht, versetzte sie eben so ernstaft, dass der
Instrumentensturm, der die Menschenstimmen, immer doch die Seele des Ganzen, so
überrauscht, dem Unsterblichen gefallen könne, der die rührendsten Melodien, die
er ihr gegeben hat, meistens nur, wenn ich mich so ausdrücken darf, gleichsam in
ein zartes Griechisches Gewand hüllte; und hoffe bei Ihrer Aufführung mehr wahre
Nahrung für Herzen und Religionsgefühle zu finden. Doch war die Begleitung auch
in Westminster nicht so stark, als man auswärts sich vorstellt; die Stimme steht
weit voran, und alles gleichsam nach der Ohrenperspektiv.«
    Beider Blicke glänzten in einander bei diesen Reden, wie von einem
gemeinschaftlichen Geistesquell.
    Er ließ sich inzwischen nicht stören, teilte die Stimmen aus, und
überreichte ihr die Sopranstimme; sie nahm diese gefällig an, und stellte sich
an den gehörigen Posten.
    Darauf machte
