 an, und verändert dadurch das innere Gefühl außer allen andern
Vorstellungen der Phantasie. Schon das Wasser pflanzt den Schall mehr als
doppelt stärker und weiter fort, als die Luft; noch besser die festen Teile
unsers Körpers. Der ganze Mensch erklingt gleichsam, und es entstehen
Empfindungen nach dem Verhältnisse der Töne und der Beschaffenheit der Massen,
wodurch sie hervorgebracht werden.«
    »Unser Gefühl selbst ist nichts anders, als eine innere Musik, immerwährende
Schwingung der Lebensnerven. Alles, was uns umgibt, was wir Neues denken und
empfinden, vermehrt oder vermindert, verstärkt oder schwächt den Grad ihrer
vorigen Bewegung. Die Musik rührt sie so, dass es ein eigenes Spiel, eine ganz
besondere Mitteilung ist, die alle Beschreibung von Worten übersteigt. Sie
stellt das innere Gefühl von außen in der Luft dar, und drückt aus, was aller
Sprache vorhergeht, sie begleitet, oder ihr folgt.«
    »Göttliche Kunst, welche die Existenz fühlender Wesen so unmittelbar unter
ihrem gewaltigen Szepter hat!«
    »Bei dem gesungnen vollen Tone sind gleichsam alle Segel der Sprachwerkzeuge
aufgezogen: alles ist gespannt, und der Torax presst mit Gewalt die Luft der
Lungen durch die Röhre dahinein; der Kehlkopf schwebt und erzittert und bewegt
sich alsdann nach den Leidenschaften des Herzens, dem Willen der Seele in
beliebigen Graden, und übertrift mit den Melodien seiner kleinen Stimmritze aus
dem Mund eines Farinelli, einer Faustina, die Wirkungen ungeheurer Orchester.«
    »Bei der Fistel oder Falsetstimme wird der Kehlkopf mehr oder weniger
überspannt hinaufgezogen, die Stimmritze mit Gewalt verengt, und nur ein Teil
des Ganzen in der Höhe gebraucht. Dasselbe geschieht bei den zu tiefen Tönen
durch gewaltsame Herunterziehung des Kehlkopfs und Erweiterung der Stimmritze.«
    »Und so braucht man nur einen Teil der Tonwerkzeuge, wenn man spricht und
nicht singt. So kann ein Redner eine schöne Aussprache haben, und ein schlechtes
Organ zum Singen, weil er bloß die Teile übt, die zur Sprache gehören,
vielleicht auch von Natur nur diese fest und rein hat: und so kann ein
vortrefflicher Sänger unangenehm sprechen, weil die Werkzeuge, die dazu gehören,
bei ihm nur einen Teil zum Ganzen ausmachen, und an und für sich selbst
mangelhaft zu einem für sich bestehenden Ganzen sind.«
    »Unter allen Tieren hat der Mensch das vollkommenste Stimmorgan; die
Nachtigall unter den Vögeln das einfachste.«
    »Die Methode, die Stimme zum Gesang zu bilden und zu üben, ist in Neapel,
Rom, Venedig, Mailand, Turin so bekannt, wie bei den Preußen das Marschiren und
Exerziren; jeder musikalische Korporal weiß sie.«
    »Wer singen lernen will, muss fürs erste eine Anzahl Töne rein in der
strengsten Bestimmung, und rund in höchster Stärke und
