 so häufig, wie
beim Genie. Mancher Knabe verspricht einen großen Mahler, Dichter, General,
Staatsmann; und es wird hernach doch nichts aus ihm. Manches kleine Mädchen
verspricht eine himmlische Schönheit, und verwächst sich hernach zu einem ganz
gewöhnlichen Dinge. Man darf bei einigen fehlgeschlagenen Versuchen den Mut
nicht sinken lassen. So bald nur einmal ein verständiger Plan ins Werk gesetzt
worden ist, geht alles leichter. Die Schulen sind ja überall schon da; man hat
nur das Aussuchen, und das Misslingen verursacht keinen großen Aufwand.«
    »Bei Auswahl der Stimmen muss man hauptsächlich auf den Charakter sehen, ob
Empfindung im Ton ist, Zärtlichkeit, Adel, heroisches Wesen; man kann solche
auch mit wenig Umfang vortrefflich brauchen.«
    »Es ist erstaunlich, wie unendlich mannigfaltig der Mensch die wenige Luft
verändert, die er mit einem Zug einatmet! Man muss zugleich die Geschmeidigkeit
und Gewalt des Elements und der Werkzeuge, womit er es bildet, bewundern. Welche
Menge von Stimmen, Tönen, Worten, Sprachen!«
    »Die Werkzeuge sind der Torax, oder Brustkasten, die Lungen, die Luftröhre,
der Kehlkopf, vorzüglich dessen Stimmritze, die Zunge, der Gaumen, die
Nasenhöhlen, die Zähne, der Mund, und die Lippen.«
    »Bloß aus Ton und Wort kann ein feines und erfahrnes Ohr die Beschaffenheit
aller dieser Werkzeuge an einem Menschen erkennen, und Gefühl und Verstand nicht
wenig an ihm empfinden und über ihn urteilen.«
    »Das Auge ist ein reicher Sinn im Geben und Nehmen; aber gewiss sind es auch
das Ohr und die Sprachwerkzeuge. Das Auge hat nur den Vorzug, dass Geben und
Nehmen unmittelbar in demselben Sinne vereinigt sind. Dafür aber haben Ohren und
Sprachwerkzeuge mehr Masse vom Lebendigen am Menschen, und lassen mit weit mehr
Gewalt auf sich wirken.«
    »Der Brustkasten und die Lungen machen den Blasebalg; die Luftröhre mit
ihrem Kehlkopf ist gewissermaassen, nämlich was Höhe und Tiefe betrifft,
Orgelpfeife; der Kehlkopf und seine Stimmritze geben den Ton, wie ein
zusammengesetztes Blas- und Saiteninstrument, indem sie durch Erzitterung ihrer
vermittelst der Nerven und Muskeln gespannten Bänder und Knorpel die Luft in
gleichförmige Bewegung setzen; das Gewölbe des Gaumens und die Nasenhöhlen
verstärken denselben, wie die Röhren von Trompeten, Hörnern und Flöten, wie die
Gewölbe von Geigen und Bässen; die Zunge bildet ihn am Gaumen, mit den Zähnen
und Lippen, auf unendliche Weise zu Buchstaben, Sylben und Wörtern.«
    »Messbar und erklärbar wirken die Töne an und für sich durch ihre Höhe und
Tiefe, Stärke und Schwäche; und dann durch ihre Dauer, Folge und Verbindung. Man
könnte dies die reine Musik nennen. Sie greift die Nerven und alle Teile des
Gehörs
