 der so
bitter getadelten Stelle: Cujus animam gementem. Man muss ein grausamer Pedant
sein, wenn man wegen einer solchen Naivetät einem Meister, der so viel edle und
gewiss geschmackvolle Menschen entzückte, Genie und Kunst absprechen will. Es
trägt allerdings zum Ausdrucke bei, wenn es selten, nur bei Leidenschaft, und
nicht zu anhaltend lange gebraucht wird, in welchen Fehler Pergolesi verfallen
sein mag.«
    Szene 8. »Ganz vortrefflich für eine Kontrealtstimme. Das Rezitativ mit
Begleitung ist voll Grazie und Fülle von Klang, und meisterhaft declamirt. Es
macht noch mehr Lust, wenn man weiß, dass Jomelli mit der Buonani in einem
Liebesverständnisse lebte. Besonders ist die einfache Begleitung der zweiten
Violine neu und voll Wirkung. Die plötzliche Abwechslung von Ton bei Imparate
inesperte donzelle - Ognuno vi chiama suo ben von G dur in A moll, F dur, Es
dur, C moll, G moll; und Guadartevi da lor - son tutti inganni8, beschliesst voll
Grazie.«
    Szene 9. »Dieser Monolog des Megakles: Che intesi eterni dei, quale
improviso fulmine mi colpi9! gehört zum Kern der ganzen Oper, und macht
gleichsam das Herz derselben aus. Jomelli zeigt einen großen Kunstverstand, und
ein feines richtiges Gefühl für Poesie, dass er bei allen seinen Opern immer so
das Wesentliche heraushebt. Diese Stelle ist klassisch bearbeitet; der Sieg der
Freundschaft in der Seele über die Liebe. Das höchste Opfer wird ihr in einer
heftig und zärtlich Geliebten gebracht. Jomelli schwingt hier recht die
tragische Keule. In der Declamazion und Begleitung liegt eine erstaunliche Kraft
von Darstellung: alle innern Gefühle des höchst leidenschaftlichen Menschen
werden hörbar hervor in die Luft gezaubert; und da ist nichts von Schlendrian,
nichts von dem weichlichen Neuern der Piccini und Paesiello: alles aus der
höheren menschlichen Natur, wovon der Meister selbst war.«
    »Das Überraschende, das Erstaunen, vortrefflich gleich anfangs durch die
Begleitung; und die Blitze der Gedanken: è, che non sono rigide a questo segno
le leggi d'amistà! perdoni il prence10 - die Überlegung des eignen Interesse
vortrefflich wieder durch die Begleitung. E questa vita di Licida non è? u.s.f.
Diese edlen Fragen eben so meisterhaft durch die Begleitung; non fu suo dono?
non respiro per lui? Diese Gefühle werden erstaunlich durch die Begleitung
verstärkt; bloße Declamazion kann sie unmöglich so ausdrücken: so etwas konnte
die Griechische Musik nicht leisten.«
    »Voi soli ascolto oblighi d'amistà; vortrefflich mit dem Übergang in das
reine C dur. Palpito, e sudo solo in pensarlo; - nur nicht in Gegenwart der
Aristea - schließt recht lyrisch leidenschaftlich.«
    Szene 10. »Diese letzte gehört unter die allerschönsten
