
des Kindes aber weiter nichts bekennen wollte, als dass er solches nach dem Tode
seines Bruders, den man wegen seiner außerordentlichen Geschicklichkeit den
großen Teufel genannt, zu sich genommen habe.
    Der andere Morgen ging meist mit Aufsuchen des Kindes hin. Vergebens
durchkroch man alle Winkel des Hauses und der Nachbarschaft; es war
verschwunden, und man fürchtete, es möchte in ein Wasser gesprungen sein, oder
sich sonst ein Leids angetan haben.
    Philinens Reize konnten die Unruhe unsers Freundes nicht ableiten. Er
brachte einen traurigen, nachdenklichen Tag zu. Auch des Abends, da Springer und
Tänzer alle ihre Kräfte aufboten, um sich dem Publiko aufs beste zu empfehlen,
konnte sein Gemüt nicht erheitert und zerstreut werden.
    Durch den Zulauf aus benachbarten Ortschaften hatte die Anzahl der Menschen
außerordentlich zugenommen, und so wälzte sich auch der Schneeball des Beifalls
zu einer ungeheuren Größe. Der Sprung über die Degen und durch das Fass mit
papiernen Böden machte eine große Sensation. Der starke Mann ließ zum
allgemeinen Grausen, Entsetzen und Erstaunen, indem er sich mit dem Kopf und den
Füßen auf ein paar auseinander geschobene Stühle legte, auf seinen
hohlschwebenden Leib einen Amboss heben und auf demselben von einigen wackeren
Schmiedegesellen ein Hufeisen fertig schmieden.
    Auch war die sogenannte Herkulesstärke, da eine Reihe Männer, auf den
Schultern einer ersten Reihe stehend, abermals Frauen und Jünglinge trägt, so
dass zuletzt eine lebendige Pyramide entsteht, deren Spitze ein Kind, auf den
Kopf gestellt, als Knopf und Wetterfahne ziert, in diesen Gegenden noch nie
gesehen worden und endigte würdig das ganze Schauspiel. Narziss und Landrinette
ließ sich in Tragsesseln auf den Schultern der übrigen durch die vornehmsten
Straßen der Stadt unter lautem Freudengeschrei des Volkes tragen. Man warf ihnen
Bänder, Blumensträusse und seidene Tücher zu und drängte sich, sie ins Gesicht zu
fassen. Jedermann schien glücklich zu sein, sie anzusehen und von ihnen eines
Blickes gewürdigt zu werden.
    »Welcher Schauspieler, welcher Schriftsteller, ja welcher Mensch überhaupt
würde sich nicht auf dem Gipfel seiner Wünsche sehen, wenn er durch irgend ein
edles Wort oder eine gute Tat einen so allgemeinen Eindruck hervorbrächte?
Welche köstliche Empfindung müsste es sein, wenn man gute, edle, der Menschheit
würdige Gefühle ebenso schnell durch einen elektrischen Schlag ausbreiten, ein
solches Entzücken unter dem Volke erregen könnte, als diese Leute durch ihre
körperliche Geschicklichkeit getan haben; wenn man der Menge das Mitgefühl alles
Menschlichen geben, wenn man sie mit der Vorstellung des Glücks und Unglücks,
der Weisheit und Torheit, ja des Unsinns und der Albernheit entzünden,
erschüttern und ihr stockendes Innere in freie, lebhafte und reine Bewegung
setzen könnte!« So sprach unser Freund, und da weder Philine noch Laertes
gestimmt schienen, einen solchen Diskurs fortzusetzen, unterhielt
