 Reichen, vor den Türen der Verliebten horchte man auf sie, indem
sich das Ohr und die Seele für alles andere verschloss, wie man sich selig preist
und entzückt stille steht, wenn aus den Gebüschen, durch die man wandelt, die
Stimme der Nachtigall gewaltig rührend hervordringt! Sie fanden eine gastfreie
Welt, und ihr niedrig scheinender Stand erhöhte sie nur desto mehr. Der Held
lauschte ihren Gesängen, und der Überwinder der Welt huldigte einem Dichter,
weil er fühlte, dass ohne diesen sein ungeheures Dasein nur wie ein Sturmwind
vorüberfahren würde; der Liebende wünschte sein Verlangen und seinen Genuss so
tausendfach und so harmonisch zu fühlen, als ihn die beseelte Lippe zu schildern
verstand; und selbst der Reiche konnte seine Besitztümer, seine Abgötter, nicht
mit eigenen Augen so kostbar sehen, als sie ihm vom Glanz des allen Wert
fühlenden und erhöhenden Geistes beleuchtet erschienen. Ja, wer hat, wenn du
willst, Götter gebildet, uns zu ihnen erhoben, sie zu uns herniedergebracht, als
der Dichter?«
    »Mein Freund«, versetzte Werner nach einigem Nachdenken, »ich habe schon oft
bedauert, dass du das, was du so lebhaft fühlst, mit Gewalt aus deiner Seele zu
verbannen strebst. Ich müsste mich sehr irren, wenn du nicht besser tätest, dir
selbst einigermaßen nachzugeben, als dich durch die Widersprüche eines so harten
Entsagens aufzureiben und dir mit der einen unschuldigen Freude den Genuss aller
übrigen zu entziehen.«
    »Darf ich dir's gestehen, mein Freund«, versetzte der andre, »und wirst du
mich nicht lächerlich finden, wenn ich dir bekenne, dass jene Bilder mich noch
immer verfolgen, so sehr ich sie fliehe, und dass, wenn ich mein Herz untersuche,
alle frühen Wünsche fest, ja noch fester als sonst darin haften? Doch was bleibt
mir Unglücklichem gegenwärtig übrig? Ach, wer mir vorausgesagt hätte, dass die
Arme meines Geistes so bald zerschmettert werden sollten, mit denen ich ins
Unendliche griff, und mit denen ich doch gewiss ein Großes zu umfassen hoffte,
wer mir das vorausgesagt hätte, würde mich zur Verzweiflung gebracht haben. Und
noch jetzt, da das Gericht über mich ergangen ist, jetzt, da ich die verloren
habe, die anstatt einer Gottheit mich zu meinen Wünschen hinüberführen sollte,
was bleibt mir übrig, als mich den bittersten Schmerzen zu überlassen? O mein
Bruder«, fuhr er fort, »ich leugne nicht, sie war mir bei meinen heimlichen
Anschlägen der Kloben, an dem eine Strickleiter befestigt ist: gefährlich
hoffend schwebt der Abenteurer in der Luft, das Eisen bricht, und er liegt
zerschmettert am Fuße seiner Wünsche. Es ist auch nun für mich kein Trost, keine
Hoffnung mehr!
