 sie meist recht gut im Auge haben und nur die Wege
dazu verfehlen. Lassen Sie uns hierauf einen Bund schließen! Es ist keine
Schwärmerei, es ist eine Idee, die recht gut ausführbar ist, und die öfters, nur
nicht immer mit klarem Bewusstsein, von guten Menschen ausgeführt wird. Meine
Schwester Natalie ist hiervon ein lebhaftes Beispiel. Unerreichbar wird immer
die Handlungsweise bleiben, welche die Natur dieser schönen Seele vorgeschrieben
hat. Ja sie verdient diesen Ehrennamen vor vielen andern, mehr, wenn ich sagen
darf, als unsre edle Tante selbst, die zu der Zeit, als unser guter Arzt jenes
Manuskript so rubrizierte, die schönste Natur war, die wir in unserm Kreise
kannten. Indes hat Natalie sich entwickelt, und die Menschheit freut sich einer
solchen Erscheinung.«
    Er wollte weiterreden, aber Friedrich sprang mit großem Geschrei herein.
»Welch einen Kranz verdien' ich?« rief er aus, »und wie werdet ihr mich
belohnen? Myrten, Lorbeer, Efeu, Eichenlaub, das frischeste, das ihr finden
könnt, windet zusammen; so viel Verdienste habt ihr in mir zu krönen. Natalie
ist dein! Ich bin der Zauberer, der diesen Schatz gehoben hat.«
    »Er schwärmt«, sagte Wilhelm, »und ich gehe.«
    »Hast du Auftrag?« sagte der Baron, indem er Wilhelmen festhielt.
    »Aus eigener Macht und Gewalt«, versetzte Friedrich, »auch von Gottes Gnaden,
wenn ihr wollt; so war ich Freiersmann, so bin ich jetzt Gesandter, ich habe an
der Türe gehorcht, sie hat sich ganz dem Abbé entdeckt.«
    »Unverschämter!« sagte Lotario, »wer heißt dich horchen.«
    »Wer heißt sie sich einschliessen!« versetzte Friedrich; »ich hörte alles
ganz genau, Natalie war sehr bewegt. In der Nacht, da das Kind so krank schien
und halb auf ihrem Schoße ruhte, als du trostlos vor ihr sassest und die geliebte
Bürde mit ihr teiltest, tat sie das Gelübde, wenn das Kind stürbe, dir ihre
Liebe zu bekennen, und dir selbst die Hand anzubieten; jetzt, da das Kind lebt,
warum soll sie ihre Gesinnung verändern? Was man einmal so verspricht, hält man
unter jeder Bedingung. Nun wird der Pfaffe kommen und wunder denken, was er für
Neuigkeiten bringt.«
    Der Abbé trat ins Zimmer. »Wir wissen alles«, rief Friedrich ihm entgegen,
»macht es kurz, denn Ihr kommt bloß um der Formalität willen, zu weiter nichts
werden die Herren verlangt.«
    »Er hat gehorcht«, sagte der Baron. - »Wie ungezogen!« rief der Abbé.
    »Nun geschwind!« versetzte Friedrich,
