 in mir das Opfer einer grausamen
zufälligen Verwicklung, aus der ich mich herauszuwinden unfähig war, so geben
Sie mir die Versicherung Ihrer Liebe, Ihrer Freundschaft auf eine Reise mit, die
ich nicht länger verschieben darf. Es wird eine Zeit kommen, wo ich Ihnen werde
sagen können, was diese Tage in mir vorgegangen ist. Vielleicht leide ich eben
jetzt diese Strafe, weil ich mich Ihnen nicht früh genug entdeckte, weil ich
gezaudert habe, mich Ihnen ganz zu zeigen, wie ich bin; Sie hätten mir
beigestanden, Sie hätten mir zur rechten Zeit losgeholfen. Aber und abermal
gehen mir die Augen über mich selbst auf, immer zu spät und immer umsonst. Wie
sehr verdiente ich die Strafrede Jarnos! Wie glaubte ich, sie gefasst zu haben,
wie hoffte ich, sie zu nutzen, ein neues Leben zu gewinnen! Konnte ich's? Sollte
ich's? Vergebens klagen wir Menschen uns selbst, vergebens das Schicksal an! Wir
sind elend und zum Elend bestimmt, und ist es nicht völlig einerlei, ob eigene
Schuld, höherer Einfluss oder Zufall, Tugend oder Laster, Weisheit oder Wahnsinn
uns ins Verderben stürzen? Leben Sie wohl! ich werde keinen Augenblick länger in
dem Hause verweilen, in welchem ich das Gastrecht wider meinen Willen so
schrecklich verletzt habe. Die Indiskretion Ihres Bruders ist unverzeihlich, sie
treibt mein Unglück auf den höchsten Grad, sie macht mich verzweifeln.«
    »Und wenn nun«, versetzte Lotario, indem er ihn bei der Hand nahm, »Ihre
Verbindung mit meiner Schwester die geheime Bedingung wäre, unter welcher sich
Terese entschlossen hat, mir ihre Hand zu geben? Eine solche Entschädigung hat
Ihnen das edle Mädchen zugedacht; sie schwur, dass dieses doppelte Paar an einem
Tage zum Altare gehen sollte. Sein Verstand hat mich gewählt, sagte sie, sein
Herz fordert Nathalien, und mein Verstand wird seinem Herzen zu Hilfe kommen. Wir
wurden einig, Nathalien und Sie zu beobachten, wir machten den Abbé zu unserm
Vertrauten, dem wir versprechen mussten, keinen Schritt zu dieser Verbindung zu
tun, sondern alles seinen Gang gehen zu lassen. Wir haben es getan. Die Natur
hat gewirkt, und der tolle Bruder hat nur die reife Frucht abgeschüttelt. Lassen
Sie uns, da wir einmal so wunderbar zusammengekommen, nicht ein gemeines Leben
führen; lassen Sie uns zusammen auf eine würdige Weise tätig sein! Unglaublich
ist es, was ein gebildeter Mensch für sich und andere tun kann, wenn er, ohne
herrschen zu wollen, das Gemüt hat, Vormund von vielen zu sein, sie leitet,
dasjenige zur rechten Zeit zu tun, was sie doch alle gerne tun möchten, und sie
zu ihren Zwecken führt, die
