 dem
einen blickte er freudig vorwärts in jene Regionen, in die er bald einzugehen
hoffte, mit dem andern auf das neue, hoffnungsvolle irdische Leben, das in dem
Knaben entsprungen war, der von ihm abstammte. Er ward nicht müde, auf dem
Rückwege mich von dem Kinde zu unterhalten, von seiner Gestalt, seiner
Gesundheit und dem Wunsche, dass die Anlagen dieses neuen Weltbürgers glücklich
ausgebildet werden möchten. Seine Betrachtungen hierüber dauerten fort, als wir
zu Hause anlangten, und erst nach einigen Tagen bemerkte man eine Art Fieber,
das sich nach Tisch, ohne Frost, durch eine etwas ermattende Hitze äußerte. Er
legte sich jedoch nicht nieder, fuhr des Morgens aus und versah treulich seine
Amtsgeschäfte, bis ihn endlich anhaltende ernsthafte Symptome davon abhielten.
    Nie werde ich die Ruhe des Geistes, die Klarheit und Deutlichkeit vergessen,
womit er die Angelegenheiten seines Hauses, die Besorgung seines Begräbnisses,
als wie das Geschäft eines andern, mit der größten Ordnung vornahm.
    Mit einer Heiterkeit, die ihm sonst nicht eigen war und die bis zu einer
lebhaften Freude stieg, sagte er zu mir: »Wo ist die Todesfurcht hingekommen,
die ich sonst noch wohl empfand? Sollt' ich zu sterben scheuen? Ich habe einen
gnädigen Gott, das Grab erweckt mir kein Grauen, ich habe ein ewiges Leben.«
    Mir die Umstände seines Todes zurückzurufen, der bald darauf erfolgte, ist
in meiner Einsamkeit eine meiner angenehmsten Unterhaltungen, und die sichtbaren
Wirkungen einer höheren Kraft dabei wird mir niemand wegräsonieren.
    Der Tod meines lieben Vaters veränderte meine bisherige Lebensart. Aus dem
strengsten Gehorsam, aus der größten Einschränkung kam ich in die größte
Freiheit, und ich genoss ihrer wie eine Speise, die man lange entbehrt hat. Sonst
war ich selten zwei Stunden außer dem Hause; nun verlebte ich kaum einen Tag in
meinem Zimmer. Meine Freunde, bei denen ich sonst nur abgerissene Besuche machen
konnte, wollten sich meines anhaltenden Umgangs so wie ich mich des ihrigen
erfreuen; öfters wurde ich zu Tische geladen, Spazierfahrten und kleine
Lustreisen kamen hinzu, und ich blieb nirgends zurück. Als aber der Zirkel
durchlaufen war, sah ich, dass das unschätzbare Glück der Freiheit nicht darin
besteht, dass man alles tut, was man tun mag, und wozu uns die Umstände einladen,
sondern dass man das ohne Hindernis und Rückhalt, auf dem geraden Wege tun kann,
was man für recht und schicklich hält, und ich war alt genug, in diesem Falle
ohne Lehrgeld zu der schönen Überzeugung zu gelangen.
    Was ich mir nicht versagen konnte, war, so bald als nur möglich den Umgang
mit den Gliedern der herrnhutischen Gemeine fortzusetzen und fester zu knüpfen,
und ich eilte, eine ihrer nächsten Einrichtungen zu
