 ich so oft in meinem Leben
gehabt hatte, wie übel eine große gemischte Gesellschaft sich befinde, die, sich
selbst überlassen, zu den allgemeinsten und schalsten Zeitvertreiben greifen
muss, damit ja eher die guten als die schlechten Subjekte Mangel der Unterhaltung
fühlen.
    Ganz anders hatte es der Oheim veranstaltet. Er hatte zwei bis drei
Marschälle, wenn ich sie so nennen darf, bestellt; der eine hatte für die
Freuden der jungen Welt zu sorgen: Tänze, Spazierfahrten, kleine Spiele waren
von seiner Erfindung und standen unter seiner Direktion, und da junge Leute gern
im Freien leben und die Einflüsse der Luft nicht scheuen, so war ihnen der
Garten und der große Gartensaal übergeben, an den zu diesem Endzwecke noch
einige Galerien und Pavillons angebauet waren, zwar nur von Brettern und
Leinwand, aber in so edlen Verhältnissen, dass man nur an Stein und Marmor dabei
erinnert ward.
    Wie selten ist eine Fete, wobei derjenige, der die Gäste zusammenberuft,
auch die Schuldigkeit empfindet, für ihre Bedürfnisse und Bequemlichkeiten auf
alle Weise zu sorgen!
    Jagd und Spielpartien, kurze Promenaden, Gelegenheiten zu vertraulichen
einsamen Gesprächen waren für die älteren Personen bereitet, und derjenige, der
am frühsten zu Bette ging, war auch gewiss am weitesten von allem Lärm
einquartiert.
    Durch diese gute Ordnung schien der Raum, in dem wir uns befanden, eine
kleine Welt zu sein, und doch, wenn man es bei nahem betrachtete, war das Schloss
nicht groß, und man würde ohne genaue Kenntnis desselben und ohne den Geist des
Wirtes wohl schwerlich so viele Leute darin beherbergt und jeden nach seiner Art
bewirtet haben.
    So angenehm uns der Anblick eines wohlgestalteten Menschen ist, so angenehm
ist uns eine ganze Einrichtung, aus der uns die Gegenwart eines verständigen,
vernünftigen Wesens fühlbar wird. Schon in ein reinliches Haus zu kommen, ist
eine Freude, wenn es auch sonst geschmacklos gebaut und verziert ist; denn es
zeigt uns die Gegenwart wenigstens von einer Seite gebildeter Menschen. Wie
doppelt angenehm ist es uns also, wenn aus einer menschlichen Wohnung uns der
Geist einer höheren, obgleich auch nur sinnlichen Kultur entgegenspricht.
    Mit vieler Lebhaftigkeit ward mir dieses auf dem Schloss meines Oheims
anschaulich. Ich hatte vieles von Kunst gehört und gelesen; Philo selbst war ein
großer Liebhaber von Gemälden und hatte eine schöne Sammlung; auch ich selbst
hatte viel gezeichnet; aber teils war ich zu sehr mit meinen Empfindungen
beschäftigt und trachtete nur das eine, was not ist, erst recht ins reine zu
bringen, teils schienen doch alle die Sachen, die ich gesehen hatte, mich wie
die übrigen weltlichen Dinge zu zerstreuen. Nun war ich zum erstenmal durch
etwas Äusserliches auf mich selbst zurückgeführt, und ich lernte den Unterschied
zwischen dem natürlichen
