 viel im stillen zur Kultur mancher Zweige der
Landwirtschaft beigetragen und alles, was dem Felde, Tieren und Menschen
erspriesslich ist, in Bewegung gebracht und so die wahrste Aufklärung befördert.
Für den Menschen, sagte er, sei nur das eine ein Unglück, wenn sich irgendeine
Idee bei ihm festsetze, die keinen Einfluss ins tätige Leben habe oder ihn wohl
gar vom tätigen Leben abziehe. »Ich habe«, sagte er, »gegenwärtig einen solchen
Fall an einem vornehmen und reichen Ehepaar, wo mir bis jetzt noch alle Kunst
missglückt ist; fast gehört der Fall in Ihr Fach, lieber Pastor, und dieser junge
Mann wird ihn nicht weitererzählen.
    In der Abwesenheit eines vornehmen Mannes verkleidete man mit einem nicht
ganz lobenswürdigen Scherze einen jungen Menschen in die Hauskleidung dieses
Herrn. Seine Gemahlin sollte dadurch angeführt werden, und ob man mir es gleich
nur als eine Posse erzählt hat, so fürchte ich doch sehr, man hatte die Absicht,
die edle, liebenswürdige Dame vom rechten Wege abzuleiten. Der Gemahl kommt
unvermutet zurück, tritt in sein Zimmer, glaubt sich selbst zu sehen und fällt
von der Zeit an in eine Melancholie, in der er die Überzeugung nährt, dass er
bald sterben werde.
    Er überlässt sich Personen, die ihm mit religiösen Ideen schmeicheln, und ich
sehe nicht, wie er abzuhalten ist, mit seiner Gemahlin unter die Herrenhuter zu
gehen und den größten Teil seines Vermögens, da er keine Kinder hat, seinen
Verwandten zu entziehen.«
    »Mit seiner Gemahlin?« rief Wilhelm, den diese Erzählung nicht wenig
erschreckt hatte, ungestüm aus.
    Und leider, versetzte der Arzt, der in Wilhelms Ausrufung nur eine
menschenfreundliche Teilnahme zu hören glaubte, »ist diese Dame mit einem noch
tieferen Kummer behaftet, der ihr eine Entfernung von der Welt nicht widerlich
macht. Eben dieser junge Mensch nimmt Abschied von ihr, sie ist nicht vorsichtig
genug, eine aufkeimende Neigung zu verbergen; er wird kühn, schließt sie in
seine Arme und drückt ihr das große mit Brillanten besetzte Porträt ihres
Gemahls gewaltsam wider die Brust. Sie empfindet einen heftigen Schmerz, der
nach und nach vergeht, erst eine kleine Röte und dann keine Spur zurücklässt. Ich
bin als Mensch überzeugt, dass sie sich nichts weiter vorzuwerfen hat, ich bin
als Arzt gewiss, dass dieser Druck keine üblen Folgen haben werde, aber sie lässt
sich nicht ausreden, es sei eine Verhärtung da, und wenn man ihr durch das
Gefühl den Wahn benehmen will, so behauptet sie, nur in diesem Augenblick sei
nichts zu fühlen; sie hat sich fest eingebildet, es werde dieses Übel mit einem
Krebsschaden sich endigen, und so ist ihre Jugend, ihre Liebenswürdigkeit für
sie und andere völlig verloren.
