 legen hat. Ich bin
überzeugt, mein lieber Freund, wenn du nur einmal einen rechten Geschmack an
unsern Geschäften finden könntest, so würdest du dich überzeugen, dass manche
Fähigkeiten des Geistes auch dabei ihr freies Spiel haben können.«
    »Es ist möglich, dass mich die Reise, die ich vorhabe, auf andere Gedanken
bringt.«
    »O gewiss! Glaube mir, es fehlt dir nur der Anblick einer großen Tätigkeit,
um dich auf immer zu dem Unsern zu machen; und wenn du zurückkommst, wirst du
dich gern zu denen gesellen, die durch alle Arten von Spedition und Spekulation
einen Teil des Geldes und Wohlbefindens, das in der Welt seinen notwendigen
Kreislauf führt, an sich zu reißen wissen. Wirf einen Blick auf die natürlichen
und künstlichen Produkte aller Weltteile, betrachte, wie sie wechselsweise zur
Notdurft geworden sind! Welch eine angenehme, geistreiche Sorgfalt ist es,
alles, was in dem Augenblicke am meisten gesucht wird und doch bald fehlt, bald
schwer zu haben ist, zu kennen, jedem, was er verlangt, leicht und schnell zu
verschaffen, sich vorsichtig in Vorrat zu setzen und den Vorteil jedes
Augenblickes dieser großen Zirkulation zu genießen! Dies ist, dünkt mich, was
jedem, der Kopf hat, eine große Freude machen wird.«
    Wilhelm schien nicht abgeneigt, und Werner fuhr fort: »Besuche nur erst ein
paar große Handelsstädte, ein paar Häfen, und du wirst gewiss mit fortgerissen
werden. Wenn du siehst, wie viele Menschen beschäftigt sind; wenn du siehst, wo
so manches herkommt, wo es hingeht, so wirst du es gewiss auch mit Vergnügen
durch deine Hände gehen sehen. Die geringste Ware siehst du im Zusammenhange mit
dem ganzen Handel, und eben darum hältst du nichts für gering, weil alles die
Zirkulation vermehrt, von welcher dein Leben seine Nahrung zieht.«
    Werner, der seinen richtigen Verstand in dem Umgange mit Wilhelm ausbildete,
hatte sich gewöhnt, auch an sein Gewerbe, an seine Geschäfte mit Erhebung der
Seele zu denken, und glaubte immer, dass er es mit mehrerem Rechte tue als sein
sonst verständiger und geschätzter Freund, der, wie es ihm schien, auf das
Unreellste von der Welt einen so großen Wert und das Gewicht seiner ganzen Seele
legte. Manchmal dachte er, es könne gar nicht fehlen, dieser falsche
Enthusiasmus müsse zu überwältigen und ein so guter Mensch auf den rechten Weg
zu bringen sein. In dieser Hoffnung fuhr er fort: »Es haben die Großen dieser
Welt sich der Erde bemächtiget, sie leben in Herrlichkeit und Überfluss. Der
kleinste Raum unsers Weltteils ist schon in Besitz genommen, jeder Besitz
befestigt, Ämter und andere bürgerliche Geschäfte tragen wenig ein; wo gibt es
