 unterzuziehen. Mein Vorschlag ist
also, an jenen ersten großen Situationen gar nicht zu rühren, sondern sie sowohl
im ganzen als einzelnen möglichst zu schonen, aber diese äußern, einzelnen,
zerstreuten und zerstreuenden Motive alle auf einmal wegzuwerfen und ihnen ein
einziges zu substituieren.«
    »Und das wäre?« fragte Serlo, indem er sich aus seiner ruhigen Stellung
aufhob.
    »Es liegt auch schon im Stücke«, erwiderte Wilhelm, »nur mache ich den
rechten Gebrauch davon. Es sind die Unruhen in Norwegen. Hier haben Sie meinen
Plan zur Prüfung.
    Nach dem Tode des alten Hamlet werden die ersteroberten Norweger unruhig.
Der dortige Stattalter schickt seinen Sohn Horatio, einen alten Schulfreund
Hamlets, der aber an Tapferkeit und Lebensklugheit allen andern vorgelaufen ist,
nach Dänemark, auf die Ausrüstung der Flotte zu dringen, welche unter dem neuen,
der Schwelgerei ergebenen König nur saumselig vonstatten geht. Horatio kennt den
alten König, denn er hat seinen letzten Schlachten beigewohnt, hat bei ihm in
Gunsten gestanden, und die erste Geisterszene wird dadurch nicht verlieren. Der
neue König gibt sodann dem Horatio Audienz und schickt den Laertes nach Norwegen
mit der Nachricht, dass die Flotte bald anlanden werde, indes Horatio den Auftrag
erhält, die Rüstung derselben zu beschleunigen; dagegen will die Mutter nicht
einwilligen, dass Hamlet, wie er wünschte, mit Horatio zur See gehe.«
    »Gott sei Dank!« rief Serlo, »so werden wir auch Wittenberg und die hohe
Schule los, die mir immer ein leidiger Anstoß war. Ich finde Ihren Gedanken
recht gut: denn außer den zwei einzigen fernen Bildern, Norwegen und der Flotte,
braucht der Zuschauer sich nichts zu denken; das übrige sieht er alles, das
übrige geht alles vor, anstatt dass sonst seine Einbildungskraft in der ganzen
Welt herumgejagt würde.«
    »Sie sehen leicht«, versetzte Wilhelm, »wie ich nunmehr auch das übrige
zusammenhalten kann. Wenn Hamlet dem Horatio die Missetat seines Stiefvaters
entdeckt, so rät ihm dieser, mit nach Norwegen zu gehen, sich der Armee zu
versichern und mit gewaffneter Hand zurückzukehren. Da Hamlet dem König und der
Königin zu gefährlich wird, haben sie kein näheres Mittel, ihn loszuwerden, als
ihn nach der Flotte zu schicken und ihm Rosenkranz und Güldenstern zu
Beobachtern mitzugeben; und da indes Laertes zurückkommt, soll dieser bis zum
Meuchelmord erhitzte Jüngling ihm nachgeschickt werden. Die Flotte bleibt wegen
ungünstigen Windes liegen; Hamlet kehrt nochmals zurück, seine Wanderung über
den Kirchhof kann vielleicht glücklich motiviert werden; sein Zusammentreffen
mit Laertes in Opheliens Grabe ist ein großer, unentbehrlicher Moment. Hierauf
mag der König bedenken, dass es besser sei, Hamlet auf der Stelle loszuwerden;
das Fest der Abreise, der
