 einzelne Fähigkeiten ausbilden, um brauchbar zu
werden, und es wird schon vorausgesetzt, dass in seinem Wesen keine Harmonie sei
noch sein dürfe, weil er, um sich auf eine Weise brauchbar zu machen, alles
übrige vernachlässigen muss.
    An diesem Unterschiede ist nicht etwa die Anmassung der Edelleute und die
Nachgiebigkeit der Bürger, sondern die Verfassung der Gesellschaft selbst
schuld; ob sich daran einmal etwas ändern wird und was sich ändern wird,
bekümmert mich wenig; genug, ich habe, wie die Sachen jetzt stehen, an mich
selbst zu denken, und wie ich mich selbst und das, was mir ein unerlässliches
Bedürfnis ist, rette und erreiche.
    Ich habe nun einmal gerade zu jener harmonischen Ausbildung meiner Natur,
die mir meine Geburt versagt, eine unwiderstehliche Neigung. Ich habe, seit ich
Dich verlassen, durch Leibesübung viel gewonnen; ich habe viel von meiner
gewöhnlichen Verlegenheit abgelegt und stelle mich so ziemlich dar. Ebenso habe
ich meine Sprache und Stimme ausgebildet, und ich darf ohne Eitelkeit sagen, dass
ich in Gesellschaften nicht missfalle. Nun leugne ich Dir nicht, dass mein Trieb
täglich unüberwindlicher wird, eine öffentliche Person zu sein, und in einem
weitern Kreise zu gefallen und zu wirken. Dazu kommt meine Neigung zur
Dichtkunst und zu allem, was mit ihr in Verbindung steht, und das Bedürfnis,
meinen Geist und Geschmack auszubilden, damit ich nach und nach auch bei dem
Genuss, den ich nicht entbehren kann, nur das Gute wirklich für gut und das
Schöne für schön halte. Du siehst wohl, dass das alles für mich nur auf dem
Theater zu finden ist, und dass ich mich in diesem einzigen Elemente nach Wunsch
rühren und ausbilden kann. Auf den Brettern erscheint der gebildete Mensch so
gut persönlich in seinem Glanz als in den oberen Klassen; Geist und Körper müssen
bei jeder Bemühung gleichen Schritt gehen, und ich werde da so gut sein und
scheinen können als irgend anderswo. Suche ich daneben noch Beschäftigungen, so
gibt es dort mechanische Quälereien genug, und ich kann meiner Geduld tägliche
Übung verschaffen.
    Disputiere mit mir nicht darüber; denn eh' Du mir schreibst, ist der Schritt
schon geschehen. Wegen der herrschenden Vorurteile will ich meinen Namen
verändern, weil ich mich ohnehin schäme, als Meister aufzutreten. Lebewohl.
Unser Vermögen ist in so guter Hand, dass ich mich darum gar nicht bekümmere; was
ich brauche, verlange ich gelegentlich von Dir; es wird nicht viel sein, denn
ich hoffe, dass mich meine Kunst auch nähren soll.«
    Der Brief war kaum abgeschickt, als Wilhelm auf der Stelle Wort hielt und zu
Serlos und der übrigen großen Verwunderung sich auf einmal erklärte, dass er sich
zum Schauspieler widme und einen Kontrakt auf
