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    So gut dieser Brief geschrieben war, und so viel ökonomische Weisheit er
enthalten mochte, missfiel er doch Wilhelmen auf mehr als eine Weise. Das Lob,
das er über seine fingierten statistischen, technologischen und ruralischen
Kenntnisse erhielt, war ihm ein stiller Vorwurf, und das Ideal, das ihm sein
Schwager vom Glück des bürgerlichen Lebens vorzeichnete, reizte ihn keineswegs;
vielmehr ward er durch einen heimlichen Geist des Widerspruchs mit Heftigkeit
auf die entgegengesetzte Seite getrieben. Er überzeugte sich, dass er nur auf dem
Theater die Bildung, die er sich zu geben wünschte, vollenden könne, und schien
in seinem Entschlusse nur desto mehr bestärkt zu werden, je lebhafter Werner,
ohne es zu wissen, sein Gegner geworden war. Er fasste darauf alle seine
Argumente zusammen und bestätigte bei sich seine Meinung nur um desto mehr, je
mehr er Ursache zu haben glaubte, sie dem klugen Werner in einem günstigen
Lichte darzustellen, und auf diese Weise entstand eine Antwort, die wir
gleichfalls einrücken.
 
                                Drittes Kapitel
»Dein Brief ist so wohl geschrieben und so gescheit und klug gedacht, dass sich
nichts mehr dazusetzen lässt. Du wirst mir aber verzeihen, wenn ich sage, dass man
gerade das Gegenteil davon meinen, behaupten und tun, und doch auch recht haben
kann. Deine Art zu sein und zu denken geht auf einen unbeschränkten Besitz und
auf eine leichte, lustige Art zu genießen hinaus, und ich brauche Dir kaum zu
sagen, dass ich daran nichts, was mich reizte, finden kann.
    Zuerst muss ich Dir leider bekennen, dass mein Tagebuch aus Not, um meinem
Vater gefällig zu sein, mit Hilfe eines Freundes aus mehreren Büchern
zusammengeschrieben ist, und dass ich wohl die darin entaltenen Sachen und noch
mehrere dieser Art weiß, aber keinesweges verstehe, noch mich damit abgeben mag.
Was hilft es mir, gutes Eisen zu fabrizieren, wenn mein eigenes Inneres voller
Schlacken ist? und was, ein Landgut in Ordnung zu bringen, wenn ich mit mir
selber uneins bin?
    Dass ich Dir's mit einem Worte sage: mich selbst, ganz wie ich da bin,
auszubilden, das war dunkel von Jugend auf mein Wunsch und meine Absicht. Noch
hege ich eben diese Gesinnungen, nur dass mir die Mittel, die mir es möglich
machen werden, etwas deutlicher sind. Ich habe mehr Welt gesehen, als Du
glaubst, und sie besser benutzt, als Du denkst. Schenke deswegen dem, was ich
sage, einige Aufmerksamkeit, wenn es gleich nicht ganz nach Deinem Sinne sein
sollte.
    Wäre ich ein Edelmann, so wäre unser Streit bald abgetan; da ich aber nur
ein Bürger bin, so muss ich einen eigenen Weg nehmen, und ich wünsche,
