, sie sollten einen Autor loben, den ich hochschätzte, so machten sie eine
alberne Anmerkung über die andere und nannten ein abgeschmacktes Stück, in
welchem sie wünschten mich spielen zu sehen. Wenn ich in der Gesellschaft
herumhorchte, ob nicht etwa ein edler, geistreicher, witziger Zug nachklänge und
zur rechten Zeit wieder zum Vorschein käme, konnte ich selten eine Spur
vernehmen. Ein Fehler, der vorgekommen war, wenn ein Schauspieler sich versprach
oder irgendeinen Provinzialism hören ließ, das waren die wichtigen Punkte, an
denen sie sich festielten, von denen sie nicht loskommen konnten. Ich wusste
zuletzt nicht, wohin ich mich wenden sollte; sie dünkten sich zu klug, sich
unterhalten zu lassen, und sie glaubten mich wundersam zu unterhalten, wenn sie
an mir herumtätschelten. Ich fing an, sie alle von Herzen zu verachten, und es
war mir eben, als wenn die ganze Nation sich recht vorsätzlich bei mir durch
ihre Abgesandten habe prostituieren wollen. Sie kam mir im ganzen so linkisch
vor, so übel erzogen, so schlecht unterrichtet, so leer von gefälligem Wesen, so
geschmacklos. Oft rief ich aus: Es kann doch kein Deutscher einen Schuh
zuschnallen, der es nicht von einer fremden Nation gelernt hat!
    Sie sehen, wie verblendet, wie hypochondrisch ungerecht ich war, und je
länger es währte, desto mehr nahm meine Krankheit zu. Ich hätte mich umbringen
können; allein ich verfiel auf ein Extrem: ich verheiratete mich, oder vielmehr
ich ließ mich verheiraten. Mein Bruder, der das Theater übernommen hatte,
wünschte sehr, einen Gehülfen zu haben. Seine Wahl fiel auf einen jungen Mann,
der mir nicht zuwider war, dem alles mangelte, was mein Bruder besaß, Genie,
Leben, Geist und rasches Wesen, an dem sich aber auch alles fand, was jenem
abging: Liebe zur Ordnung, Fleiß, eine köstliche Gabe hauszuhalten und mit Gelde
umzugehen.
    Er ist mein Mann geworden, ohne dass ich weiß, wie; wir haben zusammen
gelebt, ohne dass ich recht weiß, warum. Genug, unsre Sachen gingen gut. Wir
nahmen viel ein, davon war die Tätigkeit meines Bruders Ursache; wir kamen gut
aus, und das war das Verdienst meines Mannes. Ich dachte nicht mehr an Welt und
Nation. Mit der Welt hatte ich nichts zu teilen, und den Begriff von Nation
hatte ich verloren. Wenn ich auftrat, tat ich's, um zu leben; ich öffnete den
Mund nur, weil ich nicht schweigen durfte, weil ich doch herausgekommen war, um
zu reden.
    Doch, dass ich es nicht zu arg mache, eigentlich hatte ich mich ganz in die
Absicht meines Bruders ergeben; ihm war um Beifall und Geld
