 diesen Schriftsteller lenken. Er zeigte die lebhafteste Hoffnung auf die
Epoche, welche diese vortrefflichen Stücke in Deutschland machen müssten, und
bald brachte er seinen »Hamlet« vor, der ihn so sehr beschäftigt hatte.
    Serlo versicherte, dass er das Stück längst, wenn es nur möglich gewesen
wäre, gegeben hätte, dass er gern die Rolle des Polonius übernehmen wolle. Dann
setzte er mit Lächeln hinzu: »Und Ophelien finden sich wohl auch, wenn wir nur
erst den Prinzen haben.«
    Wilhelm bemerkte nicht, dass Aurelien dieser Scherz des Bruders zu missfallen
schien; er ward vielmehr nach seiner Art weitläufig und lehrreich, in welchem
Sinne er den Hamlet gespielt haben wolle. Er legte ihnen die Resultate
umständlich dar, mit welchen wir ihn oben beschäftigt gesehen, und gab sich alle
Mühe, seine Meinung annehmlich zu machen, so viel Zweifel auch Serlo gegen seine
Hypothese erregte. »Nun gut«, sagte dieser zuletzt, »wir geben Ihnen alles zu;
was wollen Sie weiter daraus erklären?«
    »Vieles, alles«, versetzte Wilhelm. »Denken Sie sich einen Prinzen, wie ich
ihn geschildert habe, dessen Vater unvermutet stirbt. Ehrgeiz und Herrschsucht
sind nicht die Leidenschaften, die ihn beleben; er hatte sich's gefallen lassen,
Sohn eines Königs zu sein; aber nun ist er erst genötigt, auf den Abstand
aufmerksamer zu werden, der den König vom Untertanen scheidet. Das Recht zur
Krone war nicht erblich, und doch hätte ein längeres Leben seines Vaters die
Ansprüche seines einzigen Sohnes mehr befestigt und die Hoffnung zur Krone
gesichert. Dagegen sieht er sich nun durch seinen Oheim, ungeachtet scheinbarer
Versprechungen, vielleicht auf immer ausgeschlossen; er fühlt sich nun so arm an
Gnade, an Gütern und fremd in dem, was er von Jugend auf als sein Eigentum
betrachten konnte. Hier nimmt sein Gemüt die erste traurige Richtung. Er fühlt,
dass er nicht mehr, ja nicht so viel ist als jeder Edelmann; er gibt sich für
einen Diener eines jeden, er ist nicht höflich, nicht herablassend, nein,
herabgesunken und bedürftig.
    Nach seinem vorigen Zustande blickt er nur wie nach einem verschwundnen
Traume. Vergebens, dass sein Oheim ihn aufmuntern, ihm seine Lage aus einem
andern Gesichtspunkte zeigen will; die Empfindung seines Nichts verlässt ihn nie.
    Der zweite Schlag, der ihn traf, verletzte tiefer, beugte noch mehr. Es ist
die Heirat seiner Mutter. Ihm, einem treuen und zärtlichen Sohne, blieb, da sein
Vater starb, eine Mutter noch übrig; er hoffte, in Gesellschaft seiner
hinterlassenen edlen Mutter die Heldengestalt jenes großen Abgeschiedenen zu
verehren; aber auch seine Mutter verliert er, und es ist schlimmer, als wenn sie
ihm
