 die ihre Geburt sogleich über
die unteren Stufen der Menschheit hinaushebt, die durch jene Verhältnisse, in
welchen sich manche gute Menschen die ganze Zeit ihres Lebens abängstigen, nicht
durchzugehen, auch nicht einmal darin als Gäste zu verweilen brauchen. Allgemein
und richtig muss ihr Blick auf dem höheren Standpunkte werden, leicht ein jeder
Schritt ihres Lebens! Sie sind von Geburt an gleichsam in ein Schiff gesetzt, um
bei der Überfahrt, die wir alle machen müssen, sich des günstigen Windes zu
bedienen und den widrigen abzuwarten, anstatt dass andere, nur für ihre Person
schwimmend, sich abarbeiten, vom günstigen Winde wenig Vorteil genießen und im
Sturme mit bald erschöpften Kräften untergehen. Welche Bequemlichkeit, welche
Leichtigkeit gibt ein angebornes Vermögen! und wie sicher blühet ein Handel, der
auf ein gutes Kapital gegründet ist, so dass nicht jeder misslungene Versuch
sogleich in Untätigkeit versetzt! Wer kann den Wert und Unwert irdischer Dinge
besser kennen, als der sie zu genießen von Jugend auf im Falle war, und wer kann
seinen Geist früher auf das Notwendige, das Nützliche, das Wahre leiten, als der
sich von so vielen Irrtümern in einem Alter überzeugen muss, wo es ihm noch an
Kräften nicht gebricht, ein neues Leben anzufangen!«
    So rief unser Freund allen denenjenigen Glück zu, die sich in den höheren
Regionen befinden; aber auch denen, die sich einem solchen Kreise nähern, aus
diesen Quellen schöpfen können, und pries seinen Genius, der Anstalt machte,
auch ihn diese Stufen hinanzuführen.
    Indessen musste Melina, nachdem er lange sich den Kopf zerbrochen, wie er
nach dem Verlangen des Grafen und nach seiner eigenen Überzeugung die
Gesellschaft in Fächer einteilen und einem jeden seine bestimmte Mitwirkung
übertragen wollte, zuletzt, da es an die Ausführung kam, sehr zufrieden sein,
wenn er bei einem so geringen Personal die Schauspieler willig fand, sich nach
Möglichkeit in diese oder jene Rollen zu schicken. Doch übernahm gewöhnlich
Laertes die Liebhaber, Philine die Kammermädchen, die beiden jungen Frauenzimmer
teilten sich in die naiven und zärtlichen Liebhaberinnen, der alte Polterer ward
am besten gespielt. Melina selbst glaubte als Chevalier auftreten zu dürfen,
Madame Melina musste zu ihrem größten Verdruss in das Fach der jungen Frauen, ja
sogar der zärtlichen Mütter übergehen, und weil in den neueren Stücken nicht
leicht mehr ein Pedant oder Poet, wenn er auch vorkommen sollte, lächerlich
gemacht wird, so musste der bekannte Günstling des Grafen nunmehr die Präsidenten
und Minister spielen, weil diese gewöhnlich als Bösewichter vorgestellt und im
fünften Akte übel behandelt werden. Ebenso steckte Melina mit Vergnügen als
Kammerjunker oder Kammerherr die Grobheiten ein, welche ihm von biederen
deutschen Männern hergebrachtermassen in mehreren beliebten Stücken aufgedrungen
wurden, weil er sich doch bei dieser Gelegenheit artig herausputzen
