
den, mit allen Geistern ein Ganzes auszumachen, und fühlte mich durch diese
Einigung von allen Menschen aufs innigste angezogen. - Was für ein ganz anderes
Wesen ist der Mensch, wenn er allein ist! - wie Eins mit der Natur, wie mit sich
selbst verstanden! - Ein magischer Flor umzieht die Wirklichkeit, und nur
veredelte Gestalten haben das Recht hier aufzutreten. - In seiner idealischen
Schöpfung hindert, drängt, verzehrt sich nichts. Der seligste unter seinen
Göttern, steht er da in seinem Himmel, und schaut mit unbeschreiblicher
Zufriedenheit auf sein gelungnes Werk. - Ganz andere Vorstellungen warten
seiner, wenn er in die Gesellschaft tritt. Hier legen ihm die Verhältnisse, die
Ansprüche seiner Mitbürger, ganz andere Verbindlichkeiten auf. Überall umgeben
ihn die Ringmauern des Gebrauchs, die Manen des verflossnen Zeitalters; überall
ragt ihm das stolze Selbst eines Andern hochmütig entgegen; überall läuft er
Gefahr, dass eine fremde Vernunft ihr Siegel auf seine Eigentümlichkeit drükke.
Er kämpft um die natürlichsten Rechte - quält sich mit erkünstelten Bedürfnissen
- und übt Gerechtigkeit auf Kosten seiner Ruhe. Und doch bildete die Natur ihren
Menschen für ein geselliges Leben. Sie verlieh ihm nicht allein Sprachorgane;
auch auf seine Stirn, in seine Augen legte sie den zarten Ausdruk seiner innern
Gefühle. Kaum ist das zarte Gebilde seiner Empfindungen vollendet, so erscheint
es auch auf seinem Gesicht. Warum trachteten die Menschen diese göttliche
Schrift zu verwischen? - Warum fanden so wenig Nationen das Geheimnis, das Glük
des Einzeln im Wohl des Ganzen zu begründen? - Diese und ähnliche Betrachtungen
waren mir ein unerschöpflicher Stoff zu Gemälden, die ein schuldloses Herz
entwarf, und wozu eine lachende Imagination die Farben mischte.
    Einst hatte ich mich, von meinem Herumlaufen ermüdet, unter die Zweige eines
Limonienbaums niedergeworfen. Ich hatte gelesen bis mein Lesen in Empfinden
übergegangen war, und ich mich in meine gewöhnlichen süßen Träumereien verloren
hatte. Der Ort war wenig besucht; ein kleines Rosengebüsch versteckte mich den
Vorübergehenden. So wohl mir war, so sehnte ich mich doch aufs herzlichste nach
einem Wesen, dem es ein gleiches Bedürfnis wäre, die Menschen glücklich zu
wissen, vor dem ich meine geheimen Seligkeiten aufschließen, und in dessen
Umgang ich neue Schäzze finden könnte. - Ich weiß nicht, warum mir meine
Phantasie, so oft ich daran dachte, immer ein weibliches Bild vorhielt, aber ich
konnte mich nicht davon trennen, und ich wollte es auch nicht. Ich schloss die
schöne Erscheinung mit Innbrunst in meine Arme, und schwelgte unersättlich in
dieser lachenden Vorstellung. Ganz nahe Schritte störten mich endlich. Ja,
Undankbare, hörte ich sagen, eh' ich mich noch aufrichten konnte, ich will nicht
länger einer Neigung fröhnen, die mich entehrt! -
