 Vertrauen, unter
dessen Himmel die zarte Blume ehelicher Liebe allein gedeihen kann, anbefehlen?
- ist beides nicht nach allem Rechte bloß unser Eigentum? - wer darf sich
zwischen uns stellen? - War unser Vertrag auf Wahrhaftigkeit gegründet, so ist
seine Dauer ewig, und war er es nicht, so ist er nie gewesen. Niemand kann hier
rechten, als sie und ich. - Die Tante unterbrach mich von neuem. Meine Gründe,
die mir so unwiderstehlich schienen, taten hier die gehoffte Wirkung nicht. Mit
ihrer kalten ruhigen Fassung war es ihr leicht, sich über meine
leidenschaftliche Ungedult Lorbeern zu erringen. Unverrükt verfolgte sie ihren
Plan bei ihrer Widerlegung, nur auf die Wirklichkeit Rüksicht zu nehmen, und die
gegenwärtige Verfassung der Welt mit keiner idealischen verwechseln zu lassen.
Ich war außer mir, und ich weis nicht, wie mir das ins Herz kam. O hätte ich nur
jetzt, rief ich halb in Verzweiflung, hätte ich nur jetzt Lorenzo's
Seelenzwingende Beredtsamkeit! - Lorenzo! rief Nanette mit dem scharfen Accent
des Erstaunens. Lorenzo! wiederholte die Tante mit Bedeutung. - Ich sah, dass ich
mit diesem Namen das Bild eines bekannten Wesens in ihnen aufgewekt hatte, und
Nanette ließ mich nicht lange in Zweifel. Mit überströmender Freude fiel sie mir
um den Hals. Für sie gab es nur einen Lorenzo in der Welt. O! weist du
vielleicht wo er jetzt ist, rief sie mit zärtlichem Ungestümm - verbirg mir
nichts, ich bin seine Schwester! - Ich drükte sie glühend an mein Herz - und -
was mir unmöglich geschienen hatte - ich liebte Lorenzo's Schwester mehr als
Nanetten, Nanettens Bruder mehr als Lorenzo. Mein Entzükken war gränzenlos. -
Was unsre glühende Ahndung uns bereits für Gewissheit gegeben hatte, bestätigte
sich nun durch Tatsachen. Lorenzo, mein Freund Lorenzo, war ihr jüngrer Bruder.
Sie erzählte mir nun so gedrängt als möglich, wie sie aus Genua glücklich
entkommen, und Paris zu ihrem Aufenthalte gewählt, weil sie hier am
unbekanntesten zu leben gehofft hätten, wie aber, aller Vorsicht zum Troz, ihr
älterer Bruder sie entdekt, und unvermutet vor ihnen erschienen sei. Unter der
Maske der innigsten Bruderliebe hatte er von neuem Nanettens Herz für sich zu
gewinnen, alle gegebene Veranlassungen zum Argwohn von Irrungen herzuleiten,
alle seine Handlungen in ein reines uneigennüzziges Licht zu setzen gesucht.
Aber bald ward es sichtbar, dass er noch immer für den Kardinal warb. Sein
Anliegen ward mit jedem Tage dringender, und die besorgliche Tante fürchtete
neue Gefahren. Damals sah sie Lorenzo in einem der seltenen, glücklichen
Augenblicke, wo sie einer scheinbaren Freiheit genossen, - denn ein heimlicher
Mietling ihres argwöhnischen Bruders musste ihm für jeden gefährlichen ihrer
