 funfzehnten Jahre tut man darin mit einem Finger, wozu man früher die Hand
brauchte.
    Abscheulich ists, dass auch schon unsere Kinder lesen und sitzen und den
Steiss zur Unterlage und Basis ihrer Bildung machen sollen. Das belehrende Buch
ersetzt ihnen den Lehrer nicht, das belustigende das gesündere Spielen nicht;
die Dichtkunst ist für ein unbärtiges Alter noch zu unverständlich und ungesund;
der Lehrer, der vorlieset, muss erbärmlich sein, wenn er nicht weit
nachdrücklicher spricht. Kurz keine Kinderbücher!
    In ein pädagogisches Stammbuch würden wir beide schreiben: Vergeblich tadeln
ist schlimmer als gar nicht tadeln - Fehler, die das Alter nimmt, nehme der
Lehrer nicht, der dauerhaftere zu bekämpfen hat, u.s.w. Ihr Katechismus sei
Plutarch und Feddersen (aber ohne seinen elenden Stil); d.h. keine Moralien,
sondern Erzählungen danach - und noch dazu in keiner besonderen Stunde, sondern
zur rechten, damit der Kopf meiner Kinder nicht ein Vokabelnsaal von Moralen,
sondern ihr Herz eine durchglühte Rotunda der Tugend werde.
    Da der blöde, enge, ängstliche Anstand der dümmste und unnatürlichste ist,
so lehren Sie den Kindern den besten, wenn Sie ihnen keinen befehlen; von Natur
achten sie weder silberne Sterne noch silberne Köpfe - gewöhnen Sie ihnen
dergleichen nicht ab.
    Meine größte Bitte ist - die ich viele Jahre vorher drucken lassen -, dass
Sie der spasshafteste Mann in meinem Hause sind; Lustigkeit macht Kleinen alle
wissenschaftliche Felder zu Zuckerfeldern. Meine müssen bei Ihnen durchaus nach
ihrem Wohlgefallen scherzen, reden, sitzen dürfen. Wir Erwachsene ständen den
abscheulichen Schulzwang unserer Abkommenschaft keine Woche aus, so vernünftig
wir sind; gleichwohl muten wir es ihren mit Ameisen gefüllten Adern zu.
Überhaupt: ist denn die Kindheit nur der mühselige Rüsttag zum geniessenden
Sonntag des späteren Alters, oder ist sie nicht vielmehr selber eine Vigilie
dazu, die ihre eigne Freuden bringt? Ach, wenn wir in diesem leeren
niederregnenden Leben nicht jedes Mittel für den nähern Zweck (wie jeden Zweck
für ein entferntes Mittel) ansehen: was finden wir denn hienieden? - Ihr
Prinzipal (ein abscheuliches Wort!) hat sich auf seine Verlobung ebensosehr
gefreuet als auf seine Hochzeit.
    Spielender Unterricht heißt nicht, dem Kinde Anstrengungen ersparen und
abnehmen, sondern eine Leidenschaft in ihm erwecken, welche ihm die stärksten
aufnötigt und erleichtert. Nun taugen dazu durchaus keine unlustigen
Leidenschaften - z.B. Furcht vor Tadel, vor Strafe etc. -, sondern freudige;
spielend würden alle Mädchen von Scheerau das Arabische erlernen, wenn ihre
Liebhaber in keiner andern Sprache an sie schrieben als in dieser synonymischen.
Hoffnung des Lobs ist es, das Kindern (das Lob äußerer Vorzüge ausgenommen) weit
weniger schadet als Tadel und gegen welches sich keines
