 Tod, mit
einer Sense malen. - - Es ist über 11 Uhr; auf dem erloschnen blauen
Himmels-Ozean über mir glimmt nur hier und da ein zitterndes Pünktchen - der
Arkturus wirft aus Westen seine kleinen Blitze auf seine Erden und auf meine -
der große Bär blinkt aus Norden, und die Andromeda aus Osten - der breite Mond
liegt unter der Erde neben dem Mittage der neuen Welt - aber die eingesunkne
Abendröte (dieser bunte Sonnen-Schatte) beugt den Tagschimmer der neuen Welt
gemildert in die alte herein und wirft ihn über zehn überlaubte Dörfer um mich
und über den schwarzen, allein fortredenden Strom, diese lange Wasseruhr der
Zeit, die damit ein Jahrtausend ums andre misset. - -
    So jämmerlich ist der enge Mensch; wenn er ein Buch hinaus hat, so blickt er
zu allen entlegnen Sonnen auf, ob sie ihm nicht zusehen; - bescheidner wäre es,
er dächte, er werde bloß von Europa und dessen indischen Besitzungen bemerkt. -
- Ich wünsche nicht, dass mich hier ein Cherub, ein Seraph oder nur ein Berggeist
mit meiner Schreibtafel und meinen Narrheiten gewahr werde. Mich sehe lieber ein
Mensch stehen und schreiben: der wird mild sein und von seinem eignen Herzen
lernen, die Schwächen eines fremden tragen; der gebrechliche Mensch wird es
fühlen und vergeben, dass jeder das Nest, worin er sitzt und quiekt und welches
das einzige ist, worüber er mit Schnabel und H- hinaussticht, für den Fokus des
Universums hält, für eine Frontloge und Rotunda, die sämtlichen Nester aber auf
den andern Bäumen für die Wirtschaftgebäude seines Fokalnestes ..... O ihr guten
Menschen! warum ist es möglich, dass wir uns untereinander auch nur eine halbe
Stunde kränken? - Ach, in dieser gefährlichen Dezember-Nacht dieses Lebens,
mitten in diesem Chaos unbekannter Wesen, welche die Höhe oder Tiefe von uns
entfernt, in dieser verhülleten Welt, in diesen bebenden Abenden, die sich um
unser zerstäubendes Erdchen legen, wie ist es da möglich, dass der verlassene
Mensch nicht die einzige warme Brust umschlinge, in der ein Herz liegt wie
seines und zu der er sagen kann: »Mein Bruder, du bist wie ich und leidest wie
ich, und wir können uns lieben«? - Unbegreiflicher Mensch! du sammelst lieber
Dolche auf und treibest sie, mitten in deiner Mitternacht, in die ähnliche
Brust, womit der gute Himmel deine wärmen und beschirmen wollte! ... Ach, ich
schaue über die beschatteten Blumengründe hin und sage mir, dass hier
sechstausend Jahre mit ihren schönen hohen Menschen vorübergezogen sind, die
keiner von uns an seinen Busen drücken konnte - dass noch viele Jahrtausende über
diese Stätte gehen und darüber himmlische, vielleicht betrübte
