 und erinnerte uns an den doppelten Schlaf, an den Schlaf der
kurzen und an den Schlaf der langen Nacht ....
 
                                    Fußnoten
1 Die bekanntlich besser schmecken, wenn man sie mit Rutenstreichen tötet.
2 Langens geistliches Recht S. 534.
3 In manchen deutschen Gegenden tragen die Mädchen drei Dukaten am Halse.
4 Kobers Kabinettsprediger - in dem mehr Geist steckt (freilich oft ein
närrischer) als in zwanzig jetzigen ausgelaugten Predigtaufen.
 
 Ausläuten oder Sieben Letzte Worte an die Leser der Lebensbeschreibung und der
                                     Idylle
                       Am 21ten Junius oder längsten Tage
Heute wird also meine kleine Rolle, wenigstens für den ersten Auftritt, aus;
sobald ich die sieben Worte gar geschrieben habe: so gehen ich und die Leser
auseinander. Aber ich trete trauriger weg als sie. Ein Mensch, der den Weg zu
einem weiten Ziel vollendet hat, wendet sich an diesem um und sieht unbefriedigt
und voll neuer Wünsche über die zurücklaufende Straße hin, die seine schmalen
Stunden wegmass und die er, wie eine Medea, mit Gliedern des Lebens überstreuete.
Eh' es heute Nacht wurde, hab' ich alle die Papierspäne, die von diesem Buche
fielen, eingesargt, aber nicht, wie andre Schreiber, eingeäschert - ich habe
zugleich alle Briefe der Freunde, die mir keine neue mehr schreiben können, als
Akten der in der Erden-Instanz geschlossenen Prozesse inrotuliert und hingelegt.
- So etwas sollte der Mensch stets deponieren und alle Freudenblumen aufkleben,
trotz ihrer Vertrocknung, in einem Kräuterbuche; nicht einmal seine alten
Fracks, Pikeschen und Bratenröcke (die übrigen Kleiderstücke charakterisieren
wenig) sollte er verschenken oder versteigern, sondern hinhenken sollt' er sie
als Hülsen seiner ausgekernten Stunden, als Puppengehäuse der ausgeflognen
Freuden, als Gewandfall oder tote Hand, die der Erinnerung heimfällt von den
gestorbenen Jahren ....
    - - Sobald ich heute am Tage, der so lang war als dieses Buch, mit dieser
Leichenbestattung fertig war: so ging ich in die Nacht heraus, die so kurz ist
wie die des Lebens ... und hier steh' ich unter dem Himmel und fühl' es wieder
wie allemal, dass jede überstiegne Treppe hienieden sich zur Staffel einer höheren
verkürzt und dass jeder erkletterte Thron zum Fussschemel eines neuen
einschrumpft. - Die Menschen bewohnen und bewegen das große Tretrad des
Schicksals und glauben darin, sie steigen, wenn sie gehen .... Warum will ich
schon wieder ein neues Buch schreiben und in diesem die Ruhe erwarten, die ich
im alten nicht fand? - - Ein buschichter Felsen, der sich über einen Steinbruch
bückt, hält mich hier mit meiner Schreibtafel, in der ich dieses Buch zu Ende
führen will, in der Nacht des Junius empor, den die Maler, wie den
