. - Daher
ist auch das so oft getadelte Chor-, Gassen- und Leichensingen der Alumnen ein
recht gutes Mittel, protestantische Klosterleute aus ihnen zu ziehen - und
selbst ihr schwarzer Überzug und die kanonische Mohren-Enveloppe des Mantels ist
etwas Ähnliches von der Mönchkutte. Daher schießen in Leipzig um die
Tomasschüler, da doch einmal die Geistlichen die Perücken-Wammen anhängen
müssen, wenigstens die Herzblätter eines aufkapfenden Perückchens herum, das wie
ein Pultdach oder wie halbe Flügeldecken sich auf dem Kopfe umsieht. In den
alten Klöstern war die Gelehrsamkeit Strafe; nur Schuldige mussten da lateinische
Psalmen auswendig lernen oder Autores abschreiben; - in guten armen Schulen wird
dieses Strafen nicht vernachlässigt, und sparsamer Unterricht wird da stets als
ein unschuldiges Mittel angeordnet, den armen Schüler damit zu züchtigen und zu
mortifizieren ....
    Bloß dem Schulmeisterlein hatte diese Kreuzschule wenig an; den ganzen Tag
freute er sich auf oder über etwas. »Vor dem Aufstehen«, sagt' er, »freu' ich
mich auf das Frühstück, den ganzen Vormittag aufs Mittagessen, zur Vesperzeit
aufs Vesperbrot und abends aufs Nachtbrot - und so hat der Alumnus Wutz sich
stets auf etwas zu spitzen.« Trank er tief, so sagt' er: »Das hat meinem Wutz
geschmeckt« und strich sich den Magen. Niesete er, so sagte er: »Helf dir Gott,
Wutz!« - Im fieberfrostigen Novemberwetter letzte er sich auf der Gasse mit der
Vormalung des warmen Ofens und mit der närrischen Freude, dass er eine Hand um
die andre unter seinem Mantel wie zu Hause stecken hatte. War der Tag gar zu
toll und windig - es gibt für uns Wichte solche Hatztage, wo die ganze Erde ein
Hatzhaus ist und wo die Plagen wie spaßhaft gehende Wasserkünste uns bei jedem
Schritte ansprützen und einfeuchten -, so war das Meisterlein so pfiffig, dass es
sich unter das Wetter hinsetzte und sich nichts darum schor; es war nicht
Ergebung, die das unvermeidliche Übel aufnimmt, nicht Abhärtung, die das
ungefühlte trägt, nicht Philosophie, die das verdünnte verdauet, oder Religion,
die das belohnte verwindet: sondern der Gedanke ans warme Bett wars. »Abends«,
dacht' er, »lieg' ich auf alle Fälle, sie mögen mich den ganzen Tag zwicken und
hetzen, wie sie wollen, unter meiner warmen Zudeck und drücke die Nase ruhig ans
Kopfkissen, acht Stunden lang.« - Und kroch er endlich in der letzten Stunde
eines solchen Leidentages unter sein Oberbett: so schüttelte er sich darin,
krempte sich mit den Knien bis an den Nabel zusammen und sagte zu sich: »Siehst
du, Wutz, es ist doch vorbei.«
    Ein andrer Paragraph aus der Wutzischen Kunst,
