'esprit freilich ausgenommen - wohl je den geringsten Akzent,
Accent und Wert auf ihre Tisch-, Nachttisch-, Spiegel- und andre Reden? Oder
legen sie einen auf Wahrheiten? Zum Glück nimmt diese Feinheit des Tons, die das
Fakultätsiegel und der Handwerkgruss der Weiber ist, mit der Feinheit der Stoffe
zu, die eine umhat. Ein paar kleine deutsche Städte, etwa Unterscheerau u.a.,
müssen sich mir nicht entgegenwerfen, wo freilich die dasigen Weiber, die sich
lieber Damen nennen hören, mit nichts Laute von sich geben als mit dem
artikulierten Fächer und Schlepprock, den Insekten gleich, deren Stimme nicht
aus dem Munde, sondern aus dem schwirrenden Flugwerk und Bauchtrommelfell
hervorsauset.
    Viele muten mir zu, diese Ähnlichkeit des weiblichen und des Hoftons gar
hinaus zu beweisen: ich habe ja die Feder in der Hand und brauche bloß
einzutunken. Ein Sopranist im guten Ton (ich werde des Wohlklangs wegen »Hof-
und guter Ton« abwechselnd gebrauchen) wird stets den Blitz der Wahrheit durch
Pointen so zuzuleiten und zu entkräften wissen, wie den elektrischen durch
Spitzen. Der wirkliche Sopranist schneidet aus dem ewigen Zirkel der Wahrheit
bunte Segmente und Bogen aus, die auf nichts hängen und ruhen, wie die farbigen
herausgeschnittenen Fragmente des Regenbogens. Er ists, von dem man fordert, dass
er wie Spiegelquecksilber alles, was vor ihm vorüberrennt, fremde Charaktere und
eigne Meinungen, abfärbend abschatte und alles Äußere zeige und alles Innere
berge. Wird es für einen Weltmann genug sein - es reiche immer für einen
Gelehrten zu -, wenn er ein Feld ist, das satirische Dornen umstecken, und
müssen diese nicht vielmehr statt des Raines alle Furchen erfüllen und mehr die
Frucht als der Zaun des Ackers sein? Und wer anders als er und die Schwefelleber
- die sich aber nur auf Metalle einschränkt - muss alle Heilige und alle Teufel
schwarz zu präzipitieren wissen? - Allein Leute, die so hohe Forderungen zu
machen wagen, bedenken nicht immer, dass nur ein Latitudinarier und
Indifferentist aller Wahrheiten sie befriedigen könne, d.h. ein Mann, der
gänzlich sich über den Katheder-Eiländer erhebt, welcher vielleicht jahrelang
die nämlichen Meinungen und Hosen behält. Nichts verengert den Tanzplatz des
Witzes so sehr, als wenn eigne Meinungen und Wahrheitliebe darin als feste dicke
Säulen stehen. - -
    Dieses sind eben die Mittel, wodurch Weltleute sowohl andre als sich selber
im feinsten lächerlichen Lichte darzustellen wissen. Der Hofmann kann allerdings
den deutschen Komödienstellern vorwerfen, dass sie das attische Salz und das
feine Komische, das er stets an seiner Person zu haben weiß, unter ihren
Schwielen-Händen meistens verfliegen lassen. Er, der Hofmann, macht sich stets
auf eine feine, nie niedrige Weise lächerlich
