 ich eine
Leidenschaft begrub und einen neuen Menschen auferstehen ließ, der vor Gott
lebe! Nur dann dünk' ich mich ein Ritter zu sein, wenn ich mich selbst und wenn
ich in meinen Wirkungsgrenzen Vorurteile überwinde. Freund! das sind die Türken
der Menschheit, und ein Ritter ist der, welcher es sich mit Leibes- und
Seelenkräften, das heißt tätig, angelegen sein lässt, dass das Gute über das Böse
in ihm, und wo möglich überall siege. - Die Türken, welche von den
Johanniterrittern gar gewaltiglich, freilich in ihren vier Wänden, verfolgt
werden, sind Menschen wie wir, und unsere Brüder, und jüdische und christliche
Ketzer, Gläubige an beide Testamente, da die Christen nur das neue annehmen,
ohne recht zu wissen, was sie mit dem alten machen sollen. Auch bedarf es bei
Selbstüberwindung und bei den Siegen über Vorurteile keiner so hochgepriesenen
Mittel. Das erste, das beste; das kleinste, unbeträchtlichste ist schon heilig,
hochwürdig, wenn der Zweck, zu dessen Fahne es schwört, hochwürdig und heilig
ist, auch wenn dieser durch einen Schleuderwurf von Mittel erreicht wird. Ein
Kreuz ist eine Schande, wenn es ein Sinnbild ist, dass ich Seele und Herz, beide
Hände und beide Füße untätig kreuze, und mich einem gewissen faulenzenden
Mysticismus und Fanatismus ergebe, und hier, als auf einer grünen Aue, mich
weide. Warum - sagen Ew. Hochwürden selbst - warum vermögen die Bösen so viel?
warum herrscht das Böse in der Welt? warum liegt sie, so zu sagen, im Argen?
Weil die Guten untätig bleiben; weil der Tugendritter so wenige, und weil sie
mit zu wenig Mut ausgerüstet sind; weil man dem Bösen die Pluralität, das
Übergewicht noch nicht abgewonnen hat. Ein einzelner Mensch kann nichts, weder
physisch noch moralisch; vereinigt können die Menschen viel - alles. - Je mehr
Menschen, je mehr Köpfe und je mehr Hände. Auf Einen Kopf gehen zwei Hände; und
da jeder Mensch, bis auf die unbeträchtliche Anzahl Krüppel, zwei Hände hat,
wenige Menschen dagegen, welche Köpfe haben, Köpfe sind: so ist der, welcher ein
Kopf genannt zu werden verdient, ein Edelmann; die Hände sind die Bauern. - Je
mehr gute Menschen, je weniger Ärgernis, je mehr Beispiel. - Der Philosoph muss
denken; der Edelmann muss denken und tun. Jener kann unsere Begriffe von Tugend
und Glückseligkeit berichtigen und befestigen, wenn er ein bloßer Spekulant, und
uns das Schöne und Erhabene des Himmels auf Erden versinnlichen, wenn er ein
Dichter ist. Wenn die Tugend in weiser Tätigkeit besteht, so gehört
gemeiniglich teoretische Weisheit zum gelehrten Gebiete; und auch die ist nicht
jedermanns Ding, und
