 nicht noch die leidlichsten
Lasterhaften, die unter diesen dreien Götzen keinem den Vorzug einräumen? Sollt'
es denn nicht möglich und ein köstlich Ding sein, züchtig, gerecht und gottselig
zu leben in dieser Welt? Das war vielleicht der Geist der drei Gelübde, welche
die ersten Ritter ableisteten, da sie einen ihren Zeiten angemessenen Entschluss
fassten, das Grab Christi zu erobern. Gelegenheit ist Gelegenheit; der Entschluss
verdient Andenken. Auch wenn der Anfang dieser Kreuzzüge (wie gar vieles in der
Welt) ein Gedanke ohne Plan und Absicht war - macht es dem Menschen nicht Ehre,
dass er nach der Zeit ein neues Testament diesem alten hinfügte, dieses Chaos
ausbildete, Geist und Leben in diese rohe Idee legte und einen Merkur aus diesem
Block zu schaffen im Stande war? - Gewiss fühlte ein Teil jener Streiter die
Ohnmacht des einzelnen Menschen, einen gewissen Gipfel der Tugend zu ersteigen
und heilig zu sein; vielleicht wollten sie höhere Kraft zur Heiligkeit vom Grabe
Christi einholen, um ihre Leidenschaften samt den unzeitigen Lüsten und
Begierden zu kreuzigen! - Gesegnet sei uns heute und immerdar ihr Andenken! Und,
um ihren Gelübden näher zu treten - wer kann groß sein, wenn er ein Sklave der
Liebe bleibt, falls sie nicht geistig gerichtet ist? - Es gibt eine irdische und
eine himmlische Braut, törichte und kluge Jungfrauen, körperliche- und
Seelenneigung - Jungfrauen mit und ohne Öl. - Was helfen alle Schätze der
Natur, wenn man sie nicht genießt? Kann es aber nicht Genuss (Zinseneinnahme) für
diese und die andere Welt, für das Sichtbare und das Unsichtbare, für das
Zeitliche und das Ewige zugleich geben? Ist nicht die Liebe das Gewürz des
Lebens? - wirkt sie nicht auf den ganzen Menschen? Heißt es nicht oft von ihr:
wenn ich schwach bin, bin ich stark? Gewinnt der Mensch nicht durch sie an Leib
und Seele? - Sie erhebt, erhöht und verstärkt die Sinne, und nicht allein diese,
sondern auch den Geist. - Wer bei Liebe bloß auf den Geist säet, vergisst, dass er
ein Mensch ist; wer aber bloß auf das Fleisch säet, erniedrigt sich der nicht
unter den Menschen? - Die Geschlechterneigung in Ordnung bringen, heißt die Welt
reformiren. Ein Mensch, der hier von keinem verbotenen Baume isst - was gilt der
nicht in seinen eigenen und in aller Kenner Augen? - - - und wo ist Weisheit
ohne Grundsätze; wo ist sie ohne treuen Gehorsam gegen die Befehle, die Gott
durch Vernunft und Gewissen vorschreibt, als wovon weise Männer manchen
Volkskatechismus zu jedermanns Wissenschaft bekannt machten. Das Fleisch
gelüstete von Anbeginn, und auch hier, wider den Geist! - Und was ist aus diesem
Geiste der drei
