 lassen. - Beide sind froh über
ihre Eutökie (leichte Geburt), die sie haben werden, wenn ihre Stunde kommt - so
nennen sie den Tod! -
    Noch hat der Tod keinen dieser
                                    §. 182.
                                        
                                     Gruppe
entzogen. Wenn gleich Engländer und Pastor den Tod den Sieg des Lebens nennen
und in der Geisterwelt so bekannt sind, wie man weiland zu Rosental im neuen
Jerusalem war, ich stehe dafür, keiner von beiden hat fürs erste Luft und Liebe,
ein Stein in dieser Siegeskrone zu werden. Hat der Engländer nicht alle Hände
voll mit Seelenliebe zu tun? Und der Pastor? Unendlich lieber würd' er den
himmlischen Heerschaaren zuvor bei sich aufwarten, ehe er ihnen den Gegenbesuch
ablegt. Bis jetzt sind jene so ungütig gewesen, sich nicht anmelden zu lassen. -
Entfernt vom Ceremoniell des Hofes und vom Prunk der Städte, von schmeichelnden
Kammerherren und stolzen prahlenden Krämern genießen in Rosental, wenn es
gleich weder irdisches noch himmlisches Jerusalem mehr ist, liebenswürdige
Menschen ihr Leben, und bringen an Einem Tage vielleicht mehr vor sich als
Weltmenschen in Jahren. - Wahrlich, man führt in Rosental ein einträgliches
Leben.
    Die Natur gibt durch ihre Mannigfaltigkeit und Abwechselung soviel
Unterhaltung, dass man die Wehklagen der Höfe und Städte über Langeweile hier als
etwas ansteht, das keinen Sinn hat. Wahrlich, nichts leidet unschuldiger als die
Zeit. - Man belebt in Rosental das Leblose und findet überall Anlass, aus so
manchen Naturblüten sich einen Schatz der Zufriedenheit und her Wonne zu
sammeln. Sich vergnügen und sich unterrichten, sich unterhalten und sich
belehren, sind hier eins. Wenn Leute von Welt weit lieber unzufrieden mit sich
selbst sind, als dass sie ausstehen könnten, dass andere mit ihnen unzufrieden
wären, so opfert man hier der Gesellschaft nichts von seinem Kopf und seinem
Herzen auf; man bildet beides aus, und dies heißt Umgang. Die Mahlzeiten sind
platonisch, die Seele und ihre Bedürfnisse werden bei dem leiblichen Hunger und
Durst nicht vergessen. - Einfach und mit Geschmack gekleidet geht alles einher,
und nur die Mode gilt in Rosental, welche das Modejournal der Natur billigt.
Oft wird natürlich der Kunst, oft der Unnatur entgegengesetzt. Beide Sophien
kleiden sich nicht nach der Hofmode, weil ihr persönlicher Charakter darüber in
Kollision kommt. Sie wollen individuell sein und sind es. Es liege nicht, meinen
diese competenten Richterinnen, ein abstrahirter politischer Charakter der Mode
zum Grunde, wäre das, wie käme Frankreich zur Gesetzgebung oder gar zum Dreifuss?
- Man trägt Kleider zur Notwendigkeit. - Nimmt man die Mitte von diesem Punkt
bis zum Punkt der Eitelkeit, so ist man gekleidet commo il faut. Jene Regel der
großen Welt: »man kann nicht ächte Freunde haben, wenn
