 Er begriff nicht, wie eine Adoption sich mit der geschlossenen Zahl
sieben vertragen könne; doch ließ er seinem Zweifel nicht den Zügel schießen.
    Ein Tag, unserm Ritter unvergesslich, war zur Aufnahme bestimmt. Eine
ehrwürdige Dame warf im Vorzimmer die Fragen auf: ob man nicht dem andern
Geschlecht zur Ungebühr Rechte entzogen hätte? und ob er mit einigen ihres
Geschlechts sich zu verbinden entschlossen sei, diesem Vorurteile zu
widerstehen? Der Tugend und dem Talent (fuhr sie fort) gebührt Vertrauen. Wir
wollen nichts erstürmen; und warum sollen wir auch das Schwert den Gesetzen
entwenden und den Arm lähmen wollen, der es führt? Macht gibt keine Würde,
Achtung kann nicht befohlen werden; und wenn die Subordination nicht Folge von
Grundsätzen ist, was gilt sie? und wer ist sicher bei ihr? Entfernt, Lärmkanonen
zu lösen und Sturmglocken zu läuten, fordern wir vom andern Geschlecht auf dem
Wege der Vernunft und der Billigkeit - und was? Wahrlich nichts, als was wir von
Menschen, von Weibern geboren, erwarten können. Die Ritterzeiten der Männer
haben aufgehört; durch uns soll keine Weiberritterzeit beginnen; wir wollen uns
nicht erheben, nur Menschen wollen wir sein; Rechte nicht ertrotzen, sondern
erbitten, und nur dann, wenn wir sie verdienen, sie verlangen. Neu und
überraschend war dem Adoptions-Kandidaten dieser Antrag; doch trat er ihm mit
einem wiederholten Ja bei. Warum auch nicht? Gibt es nicht Verluste, bei denen
man gewinnt? Edler Mann, fuhr die Vorbereiterin fort, es wird wenig in der Welt
verbessert, weil die Menschen es immer auf andere, und niemand auf sich selbst
anlegt. Wollen Sie, um unser gutes Werk zu vollenden, unser Geschlecht aus den
Weg lenken, wo es seines Vorzugs wenn nicht teilhaftig, so doch würdig werden
kann? Er versprach es. Bei Eröffnung der Tür sah er nun noch zwei andere Damen;
und die eine war -
                                    §. 172.
                                        
                                    Sophie.
Gott! welch ein Blick! Sophie! - Wahrlich! Hier sollte der Vorhang fallen. - Er
falle! - Was ich von diesem Augenblick noch hinzufüge, sei Postscript und Zugabe
- wie man will, zum Überschlagen und nicht zum Überschlagen. Unbeschreiblich
ist, was Sophie und der Ritter empfanden, als sie sich erblickten. Sie machten
auf einander Eindrücke über allen Ausdruck - fast könnt' ich sagen: über alles
Gefühl. Der Gastvetter bemühte sich, diese Szene beiden erträglich zu machen. -
Man kann trunken sein in Begeisterung. Ein übler Rausch! vielleicht der übelste,
den man haben kann! Jene nüchterne Begeisterung aber, wo Feinheit der Reflexion,
Delicatesse der Empfindung, Leichtigkeit des Ausdrucks, selbst anspruchloser
Witz sich denken lässt, welch eine
