 der höchsten Würde steigt, was Maitressen und Nepoten ausrichten:
was muss man von der Regierung des Staats denken? Wahrlich, je höher die Aemter,
desto leichter sind sie zu bekleiden. Der köstlichste dieser Staatsbeamten ist
ein geschäftiger Müßiggänger. - Möchten sich immer die Fürsten für Herren von
Gottes Gnaden halten, wenn sie nur nicht in ihrem allerhöchsten Namen so oft
Menschen ohne alles Verdienst und Würdigkeit an diesem Vorzuge teilnehmen und
die Gesichter dieser geschmückten Teilnehmer glänzen ließ, wie das Gesicht
Mosis, als er vom Gesetzberge kam! - Es ist gewiss nötig, dass unbeamtete Männer
zusammentreten, um die schrecklichen Lücken so viel als möglich zu ergänzen; und
wahrlich, von jeher gab es Männer, die, um desto mehr zu wirken, unbeamtet
blieben, die beschäftigt waren, wenn dagegen Dienstmänner bloß den Dienst -
spielten. Jene ahmten die Vorsehung nach, die auch im Dunkeln wirkt; und diesen
unbekannten Edelen hat man mehr zu danken, als man denkt und versteht. Das
heimliche Gericht der mittleren Zeit mag etwas von dieser Idee in sich enthalten;
doch war es den Zeiten angemessen, die nicht mehr sind, und wohl uns, dass sie es
nicht mehr sind! Warum auch Gericht? Wer ist es, der recht richtet? Gott! gehe
nicht ins Gericht mit den Richtern, die das Volk richten! oder besser, die es
quälen und martern, und war' es nur durch eine Kameelslast von Gesetzen. - Ist
es nicht besser, ohne Zwangsmittel Gutes bewirken, den Willen durch der Gründe
Übergewicht bestimmen und Täter ziehen, wahre Weisen aufmuntern, und die es
nicht sind, bis zu ihrer Blöße enthüllen? - Wer Licht mit Jubelgeschrei
aufsteckt, will nicht erleuchten, sondern verdunkeln. Es kann herrliche Könige
geben, die vom Hirtenstabe genommen und durch Pferde zur Majestät
hinaufgewiehert werden, denn ihre Würde ist eine Titularwürde; werden aber die
eigentlichen Vorsteher und Volksregierer von den regierenden Herren eben so
willkürlich erkieset, was ist da zu erwarten, wenn die Menschheit von Tage zu
Tage zum Nachdenken reist und die Vernunft den göttlichen Funken in sich
gebrauchen lernt? - - Übertriebene Begriffe von der Perfectibilität des
Menschengeschlechts schaden in eben dem Grade, wie ein zu eingeschränkter
Begriff von der menschlichen Vollständigkeit. Eine unrichtige Anwendung sehr
richtiger Vernunftbegriffe von einer bürgerlichen Verbesserung, hat ne nicht
schon edle Menschen verleitet, zu tun, was nicht taugte? Nicht alles, was
teoretisch wahr ist, kann darum so leicht praktisch werden. Im alten Herkommen
ist oft mehr Verstand, als in gewöhnlichen Neuerungen. Verstand kommt nicht vor
Jahren. - Da der römische Senatorschuh drückt, so wie der Kreuzpantoffel des
heiligen Vaters, und niemand diesen Druck empfindet, als wer den Schuh und
Pantoffel trägt, was
