 leben
im Staat, als lebten sie nicht darin; nur einzelne Strahlen lassen sie fallen.
Wenn (wie in unsern besten Staaten) Souverain und die gesetzgebende und
vollziehende Gewalt oft in noch ärgere Verwickelungen geraten, als Vernunft,
Herz und Unterleib, was ist alsdann die Pflicht dieser Stillen im Lande? Im
Großen und Kleinen zu willen, den Vorwurf gern zu ertragen: es sei Kinderspiel,
was sie in ihren Schriften beginnen, es sei eine Komödie, die nicht aufgeführt
werden könne. Sie lassen die Kindlein zu sich kommen und wehren ihnen nicht;
denn diese spielen das Reich Gottes, und durch weisen Unterricht werden diese
Kindlein zu tüchtigen Werkzeugen eines Werkes erzogen, das durchaus im Kleinen
und langsam kommen muss! - Entweder so, oder nie. Wenn man an Kindern,
vermittelst der Erziehung, beweiset, dass der Mensch, der Erbsünde unbeschadet,
es weit bringen könne, ohne dass man Asträen vom Himmel erwarten dürfe, damit sie
Unschuld und Gleichheit des goldenen Zeitalters auf der verdammten Erde wieder
herstelle, und ohne dass man auf himmlische Einflüsse Rechnung machen dürfe;
wahrlich! da lässt sich von der Menschheit ohne Wunder alles hoffen! Selbst wenn
es Wunder wären, die auf ihre Veredlung wirkten, müsste man nicht durchaus so
tun, als gäbe es keine? Durch Gewalttätigkeiten und Machtsprüche ein Regiment
der Vernunftgesetze im Moralischen und Politischen einführen wollen, hieße durch
Unvernunft vernünftig sein. Gewalt und Moralität! wahrlich das Heterogenste, was
in der Welt ist. Gewalt? Allerdings, wenn es nämlich jene äußere Gewalt ist, wo
Schwert und Stock Recht und Pflicht sind, wo man durch diese eisernen Szepter
die Freiheit einschränkt, ohne zu erwägen, dass Gewalt eigentlich im Willen des
Menschen liegt. - Doch gibt es (ohne dem Worte Gewalt Gewalt zu tun) eine
innere; und diese ist die des Verstandes und der Vernunft. - Diese lässt sich aus
heiligen Urgesetzen der Vernunft a priori demonstriren; jener (der Gewalt des
Verstandes) hat die Erfahrung das Siegel aufgedrückt; sie beruhet auf Verträgen,
wodurch man sich einschränkt, wenn dagegen die Vernunftgewalt sich über sich
selbst und die Erfahrung wegsetzt, und nicht als Stimme der Menschen, sondern
als Stimme Gottes gelten will. Zwar muss man Gott überall mehr gehorchen, als den
Menschen; indes bleibt doch noch die Frage: ob es je der Vernunft a priori in
solchen großen Gesellschaften, wie man jetzt hat (ob zu Gottes Wohlgefallen, ist
die Frage), gelingen werde? Wenigstens bleibt in diesen großen Gesellschaften
die Pluralität viel zu sinnlich, um durch etwas Unsichtbares sich zwingen zu
lassen. - Doch sind diese großen Gesellschaftsmassen einmal vorhanden, und es
wird tausend und abermal tausend Jahre, die hier wie ein Tag sind,
