 Versuche, ihn zu entwickeln, doch besser, als wenn man ihn zerhauet. Plato,
unser Freund, behauptete: die Bildung des Menschen wäre den Dämonen überlassen
gewesen. Diese kneteten den Leib aus den Elementen zusammen; der göttlichen,
unsterblichen Seele dagegen ward das Haupt zum Wohnsitze angewiesen. Der
göttliche Plato ließ es bei dieser göttlichen Seele nicht bewenden; er
praktisirte noch zwei unvernünftige Seelen in den Körper, und setzte die eine
ins Herz, die andere in den Unterleib - ja wohl, in den Unterleib! - Hätte Plato
mit einer vernünftigen Seele im Menschen sich begnügt, er hätte ihr gewiss im
Magen die Residenz angewiesen, der auf alles, was Fleisch ist und heißt, einen
nicht geringen Einfluss hat. Ein so echter Republikaner, wie Plato, machte auf
diese Weise jeden Menschen zu einer Republik, wo ewiger Zank ist, wo oft
Unterleib und Herz nicht wissen, was sie wollen, wo indes doch, durch Erfahrung
gestärkt, am Ende die vernünftige göttliche Seele die Oberhand gewinnt, - bis
endlich (Gott geb' es!) das Reich Gottes auf Erden sich hervortut: eine
Staatsgesellschaft, wo nicht Könige, Priester und Propheten (eine andere Art von
Unterleib und Herz!) die Gottheit repräsentiren; sondern wo die Menschheit,
ihres göttlichen Ursprungs sich bewusst, ihren Geist als einen Ausfluss der
Gottheit ansieht, und den Leib so nach der Seele modelt und einlenkt, dass ein
Paradies entsteht, in das die Menschheit nicht ohne Mühe und Arbeit
hineingepflanzt wird, sondern in das sie sich selbst hineinringen und hinein
arbeiten muss.
    Da Unterleib und Herz zu überwinden dem Kopfe zuweilen äußerst schwer wird,
so gerät der Mensch aus Seelenverdruss (der vernünftigen Seele) nicht selten in
die Versuchung, den Körper für eine Bastille der Seele zu halten; doch diesen
Verdruss selbst - spielt ihn nicht der Unterleib? Nichts anders, als der
Unterleib. Gott! was ist der Mensch! ein Knoten aller Knoten. Ist es Wunder,
wenn er sich nach Geistern umsiehet? Nur wenn ihr Kollege, die vernünftige
Seele, die Hauptseele bleibt; wenn sie der Sinnlichkeit und den Leidenschaften
ritterlich entgegenarbeitet, sie heiliget, und so mit Weisheit und Tugend in
Verbindung setzt, dass selbst das Fleisch, genau erwogen, bei dieser an selbst
gegebene Gesetze gebundenen Freiheit sich weit besser befinden muss: nur alsdann
zeigt sich Hoffnung, der Mensch werde und könne sich auf diesem Wege entwickeln
und verstehen lernen. Was der Mensch soll, wird er auch mit der Zeit wollen.
Hätte die Gottheit ihm wohl ein Gesetz in die Seele geschrieben, wenn es ewig
unerfüllbar bleiben sollte? - Aus dem Gesetzbuch ist ein Volk, das sich selbst
Gesetze gab, oder dem sie von einem weisen
