 grösseste Mühe von der Welt, sich der Verführung zur
Unmässigkeit zu erwehren. Auch ward in keinem Orden mehr geschlafen und weniger
gearbeitet als hier. Dies gab unserm Ritter und seinem Knappen zu vielen
Bemerkungen Anlass, wiewohl es füglich bei der einzigen Frage hätte bleiben
können: Was kann Menschen bewegen, übermenschliche Dinge zu übernehmen? Nie
müsse, sagte der Ritter, der Mensch einen Entschluss in einer traurigen Stimmung
seines Gemüts fassen; nie müsse er eine Lebensweise für sein ganzes Leben
erwählen, und nie einen Vorsatz, außer dem, Gutes zu tun, auf immer ergreifen.
Zwar sei ein Entschluss, im Affekt genommen, gemeinhin kräftiger als einer bei
Mutlosigkeit der Seele; doch sei ein durch Nachdenken zur Ruhe gebrachtes
Gemüt allein im Stande, den Menschen richtig zu bestimmen, und diese
Bestimmungen würden es nie darauf anlegen, die Natur zu überflügeln und sich
Dinge zuzumuten, die den Schein behaupteten und die Kräfte verläugneten. Da der
Ritter indes bei sich fest beschlossen hatte, nie die Menschen auf eine und
dieselbe Art zu beurteilen, indem viele von ihnen bei ganz verschiedenen
Handlungen eine und dieselbe Absicht hätten, wogegen sie auch bei verschiedenen
Triebfedern in ihren Handlungen völlig übereinstimmen könnten, so ward dem
Tal-Josaphats-Orden, eben so wenig wie vielen andern Orden seines Gelichters,
mit keiner Kritik zu nahe getreten. Wer nicht richtet, wird nicht gerichtet; wer
nicht verdammt, wird nicht verdammt; wer gibt, dem wird gegeben. - Tut nur, als
wisst ihr mehr und ihr werdet andere finden, die bei euch in die Schule kommen.
Jede Meinung in der Welt, mochte sie noch so sehr in Kreuz und Quer sein, fand
ihre Jünger und Apostel. Ein Wort im Vertrauen, eine Hoffnungsaussicht macht
Menschen, wenn nicht glücklich, so doch ruhig. - Der Mensch ist zum
Experimentiren geboren. - Eine Beule am Kopf und am Herzen mehr oder minder -
was schadet sie? Wagen gewinnt, wagen verliert. - Eins der Hauptstücke des
Ordensarcans schien zu sein, Fruchtbarkeit bei beiden Geschlechtern zu
befördern. Fruchtbarkeit im Ordenssinne; das heißt: den Kindern nicht nur
Schönheit und Stärke des Leibes, sondern auch Schönheit und Stärke der Seele
beizulegen, wovon indes, leider! unser Held so wenig wie sein Knappe vorderhand
Gebrauch machen konnte, da ihnen diese Rosen von Jericho und neben ihnen die
bescheidenen Blumen Je länger je lieber noch nicht blühten. - Es käme, hieß es,
auf Kultur des Ackers und guten Samen an; - und die Zeit wäre nahe, wo man auf
wohl zugerichtetem Acker auf einmal viele große Seelen und starke Körper zum
Vorschein bringen und auf die Erde setzen würde, die nicht bloß durch Systeme
ein besseres Loos für die Menschen erschreiben oder
