 zu melden. Er ermangelte nicht, zu behaupten, dass die Beibehaltung des
Namens und die Ähnlichkeit, die er mit seinem in Gott ruhenden Herrn Vetter
hätte, die zweite Ehe höchstens nur als die zweite Auflage eines Buches
darstellen würde. Wenn die Sonne, fügte der Anwerber hinzu, gegen den Regen
scheint, entsteht ein Regenbogen, ein Zeichen der Gnade. Und die Antwort der
Wittwe? - war und blieb nein. Viel von einer Wittwe, die nicht nur reizend,
sondern bezaubernd war, und der es gewiss nicht gleichgültig sein konnte, zu
wissen, dass sie geliebt ward! Liebe ist der Weg zur Gegenliebe, besonders, wenn
diese jener wert ist. - Als Mädchen war Sophie schön, jetzt war sie erhaben. -
Vielleicht müsste, mit Erlaubnis der Herrn Maler und Bildhauer, selbst Göttin
Venus nie in zu großer Jugend und in sehnsuchtsvollem Zustande (welcher den
Teint, es sei durch Röte oder Bleiche, verdirbt), dargestellt werden; - wie
Sophie, glaubt mir! wie Sophie. - Wahrlich, es war eine Würde in ihrer Figur,
die sie überall zur Alleinherrscherin macht, und doch nie anders, als durch
zuvorkommende Güte. Selbst unter ihren Untertanen herrschte sie nur so; was sie
befahl, hatte die Form einer Bitte. Man sagt, feine Kunst verstände bei mehreren
Jahren die Grazien verführerischer zu ersetzen, womit die Natur die Jugend, ohne
die Kunst zu bemühen, ausstattet. Die Ritterin war noch immer ein wohlgezogenes
Kind der Natur; auch in ihrem spätesten Alter wird sie keine andere Göttin haben
neben ihr. Zwar schienen, wiewohl in anderer Rücksicht, Ritterin und Natur
zuweilen uneins zu sein; doch behielt die Natur den Sieg. Nach dem Ableben des
ahnenreichen Gemahls war nur selten Streit zwischen Kunst und Natur, zwischen
Weib und Baronin. Ein gewisses Ebenmass, das nichts weniger als peinlich war,
legte dem edelen Weib eine Majestät bei; das Ungesuchte in ihrem Anzug ließ
dagegen eine gewisse leichte Ordnung - (Unordnung wäre ein zu starker Ausdruck)
- spüren, die entzückte. - Ihr Anzug bekeidete sie nicht, er umfloss sie. - So
umschweben Gewänder die Göttinnen, wenn sie gemalt werden - Kann man Göttinnen
anders als im Deshabillé sehen? Um nicht in den Verdacht zu fallen, ich sei (wie
dies oft der Fall mit Schriftstellern sein soll) in sie verliebt - will ich
abbrechen. Ihre abschlägigen Antworten wurden mit mehr Grazie gegeben, als bei
tausend andern das Jawort. Überhaupt verstand sie nein zu sagen auf eine Weise,
die unnachahmlich ist. Ich bin nicht Wittwe, sagte sie. Das Andenken meines
Gemahls lebt in mir. - Wenn man die Hauptflüsse in Erwägung nimmt, die den
wohlseligen Ritter zeitig befielen
