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wo es noch Seiten gibt, die sich zum Besten kehren lassen. Jetzt, da wir von
deinem guten Herzen durch sieben Vorhandlungen überzeugt sind, wirst du, ehe du
es dich versiehst, in andere Lagen zum Tun gesetzt werden. Wohl dir, wenn du
Palmen trägst, wenn du bestehest, um würdig zu sein, dich durch den Tod zum
Leben zu widmen, das ohne Verachtung des Todes kein Leben der Freiheit, sondern
der Sklaverei ist! Heißt weise sein seine Glück seligkeit befördern, so gehört
die Überwindung der Schrecken des Todes und genaue Bekanntschaft mit ihm zur
Weisheit. Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir weise
werden! Lehr' uns unsere Tage zählen, und bereit sein, Leben und Sterben für
eine Schuld anzusehen, die wir der Natur abtragen müssen! Es gibt nur Einen Weg,
im Leben Fortschritte zu machen: Erhöhung unseres Wesens, Läuterung unseres
Geistes. Nie lass uns zu Schanden werden durch Todesschrecken, durch Seufzer und
Klagen, die unvernünftig sind! So sanft und still wie wir in diesem Noviciat
gehen, so sanft und stilltätig lass uns in der Welt sein, und nicht die Hände in
den Schoss legen, wenn noch Arbeit im Weinberge ist. Alles Fremdartige, was
unsere Erzieher, und was wir selbst in uns legten, lass uns entfernen, um
schlecht und recht zu sein vor deinem Angesicht. Wer die Unschuld unterdrückt,
sammelt sich schreckliche Furien auf die letzten Stunden des Lebens, Kraft zum
Sterben aber, wer die Tränen von der Wange des Feindes trocknet, und den Hasser
durch Segen und Wohltun bessert. Wir wollen unsere Seelen in Händen tragen, und
in guten Werken trachten nach dem ewigen Leben, Leidenschaften erziehen,
vernünftig leben, geduldig leiden, um einst froh zu sterben. Krankheiten zu
entfernen, in so weit sie von Menschen abhangen, ist unsere Pflicht; überfallen
sie uns wider Verschulden - sind sie mehr oder weniger als Naturbemühungen, uns,
so lange der Leib zusammenhält, das Leben zu erhalten, um, so lange es nur geht,
der Zerstörung des Menschenlebens auszuweichen. Dein Wille geschehe im Leben und
im Tode. Amen.
    Eine herrliche, eine sanfte Musik beschloss diese Szene. Der Ritter ward
wieder mit verbundenen Augen in jenes Elysium zurückgeführt, durch welches er
zum Todtengewölbe und so weiter gelangt war. Dies Leben, sagte der zu ihm, der
ihm die Augen verband, führen wir es anders, als mit verbundenen Augen der
Seele? Wohl uns, wenn wir einst Licht sehen und genesen!
    Vor dem Schluße dieser Noviciatsaufnahme drückte jeder der Wandelnden dem
Novizen die Hand, und hieß ihn willkommen. Zur
                                    §. 136.
                                        
                                    Aufnahme
ward geschritten, nachdem der Noviz
