 eine eheleibliche Jungfer Tochter und ihre
eheleibliche Familie einem freiherrlichen Ja widerstehen? Der Banquier, welcher
auf der Börse der Emsige hieß (Spötter nannten ihm die Ameise), hatte seine
Tochter Sophie (dies war, zu nicht geringer Kränkung unseres Ritters, ihr
einziger, noch dazu ziemlich alltäglicher Name) mit Herzen, Mund und Händen
seinem lieben getreuen Nachbar und desgleichen, einem fürnehmen und berühmten
Kauf- und Handelsmann, zugewandt, verschrieben und zugesichert, der Valuta baar
besaß und dem auch, genau genommen, nichts weiter abging, als das
Johanniterkreuz, welches auf das Wechselnegoce und den Kours, wie der Emsige
wohl wusste, keinen Einfluss hat. Die Ehefrau der Ameise war indes mit dieser
Verbindung desto zufriedener, und das Sonn- und Festtagsfräulein hatte ihre
Rolle so vollgültig gemacht, dass kein Hefen von Bedenkkeit zurückblieb. Der
Umstand, dass der Herr Bräutigam aus einer sehr alten Familie und sogar mit
Fräulein - - man denke den Vorzug! - vetterlich verwandt war, schien Madame von
entschiedener Wirkung zu sein. Der Emsige hatte nun zwar die Wechseldreistigkeit
zu behaupten, dass alle Edelleute von A und alle Bürgerliche von dam abstammten,
und insoweit auch verwandt wären; indes wusste das in der Heraldik und Genealogie
nicht unerfahrene Fräulein ihm die Verdienste einer adeligen Abkunft so
weitläufig und meisterhaft auseinander zu setzen, dass er vor lauter Überzeugung
einschlief. - Sie erniedrigte sich zuweilen zur Probe, wenn sie allein waren,
Madame und ihre Tochter Kousine zu nennen. Das erstemal, da dieser Name
durchbrach und, wenn ich so sagen soll, durch das Schlüsselloch ausgesprochen
wurde, war das Fräulein im Begriff, einen Haufen Holz von der neuen Kousine zu
erbitten, den diese ihr denn mit zuvorkommender Freundschaft dreidoppelt
bewilligte, so dass sie in drei Haufen ihre vetterliche Zuneigung lichterloh
brennen ließ. Ich wette, es wäre ihr Cederholz zugestanden worden, wenn sie es
darauf angelegt und der Emsige nicht peremptorische Einreden dagegen gehabt
hätte. Madam behauptete übrigens (weil der Emsige um die Hausregierung sich zu
kümmern nicht viel Zeit hatte oder sich nahm) manchen Vorzug, den sie ihrem
Eheherrn abgewonnen hatte; sie war größtenteils zum genere masculino
übergetreten. - Ländlich sittlich - Madam verlangte auf den Grund dieses
Vorzuges ein vollstimmiges Ja zur Heirat; indes wusste er es doch, wiewohl mit
genauer Not, dahin zu bringen, dass man, statt dieser Förmlichkeit, sich mit
bloßem Kopfneigen begnügte. Der Geist Kaprizzio ist sauber und unsauber, je
nachdem der Ort beschaffen ist, wo er einkehrt. In der Seele des Emsigen war er
so unsauber, dass die Sauberkeit des Fräuleins Kousine dazu gehörte, alles ins
Geleise zu bringen. »Wer sollte denken, Fräulein,« ließ der Emsige im Zorn sich
aus, »dass
