 man in
Versuchung geraten könnte, zu behaupten, sie sei für sie gemacht.
    Die zeiterigen Vorbereitungen waren nichts mehr nichts weniger als Vorreden
gewesen. Dieser Grad sollte mit sieben Vorhandlungen anfangen, wovon ich meinen
Lesern Rede und Antwort schuldig bin. Die erste
                                    §. 131.
                                        
                                  Vorhandlung.
                              Geschichtserzählung.
Sie behaupten, ich wäre weniger heiter als sonst; Sie irren nicht. Der Zufall
hat mich vor einigen Tagen mit einem menschlichen Wesen bekannt gemacht, für das
ich alles empfinde, was menschliche Seelen zu fühlen fähig sind. Auf meinem
gewöhnlichen Spaziergang in die Gegend, die Sie kennen, und die weniger besucht
wird als ihre Lage verdient, ließ ich auch meine Seele frische Luft schöpfen,
und sie von des Tages Last und Hitze sich erholen. Wahrlich, herrlichen Gegenden
geht es nicht besser als herrlichen Menschen: man verkennt sie. Schon sah ich
mein sogenanntes Lustschloss, und war an die schöne Stelle gekommen, wo ein Bach
sich schlängelt, und mit einem mit kleinem Gebüsch bewachsenen Hügel einen
reizenden Busen macht, als ich durch das Gebüsch sich etwas bewegen hörte. - Ich
hörte nicht bloß, ich sah ein Wesen, das mir Ähnlichkeit mit einer menschlichen
Figur zu haben schien. Noch weiß ich nicht, was mich so schnell und
unwiderstehlich zu dem Orte hinzog, der, so einsam er auch ist, sich doch nicht
vernachlässigt. - - Ich war weit genug vorgedrungen, um meinen Gegenstand ganz
eigentlich zu erkennen. - Es war eine männliche Figur, die sich unter das
Gebüsch der Länge nach hingestreckt hatte. Es schien nicht, dass dieser Ort von
ihm erwählt war, um die Kühle des Schattens zu genießen; er war den Strahlen der
Sonne völlig ausgesetzt. Schon mehrmal habe ich bemerkt, dass Menschen mit
Menschen unzufrieden, wenn sie zu einem gewissen Grade der Menschenfeindschaft
und des Weltüberdrusses gekommen sind, sich nicht unter Bäume verbergen und
Schatten suchen, sondern das Licht der Sonne so wenig scheuen, dass sie ihm
beinahe entgegentrotzen. Fast scheint es, als wollten sie beweisen, sie wären
wert, von der Sonne beschienen zu werden. Der Gedanke, ich bin unschuldig, ich
leide nicht was meine Taten wert sind, macht Menschen zwar zu Flüchtlingen vor
andern Menschen, doch verstecken sie sich nicht vor dem Angesichte der Gottheit
unter die Bäume im Garten. - Die Warnungstafel des Lasters ist Schande und
Furcht. Auch schien es nicht, als litte unser Sonnensucher durch ihre Strahlen;
die Schwärze seiner Haut bewies deutlich, er lebe mit Luft und Sonne in
vertrautem Umgang. Unser Sonnenfreund schien in schweren Gedanken vertieft, mit
sich selbst, jedoch nur leise, zu sprechen, wobei er aber von Zeit zu Zeit
heftige Bewegungen machte, die an Verzuckungen grenzten. Da
