 wie hoch- und niederdeutsch von einander verschieden
wären, und dass Michael sein Vetter sei. - Michael, der bis dahin in seiner
Kammer herzlich gelacht hatte, konnte als er diesen Umstand vernahm, sich nicht
zurückhalten. Er sprang heraus, um den Reitknecht stehenden Fußes Lügen zu
strafen. In der Tat Stoff zum Divertissement, wozu der Ritter, der seinen Kopf
voll Geister hatte, die auf ihn wirkten, weder Lust noch Liebe besaß. Er gebot
Schweigen und deutete dem Reitknecht an, dass sein Vortrag ihm kein süßer Geruch
gewesen, der bei Stallleuten ohnehin etwas Seltenes wäre; er zähle nicht nach
Pferden, sondern nach Menschen, und zwischen Reiter und Ritter sei freilich kein
so großer Unterschied, wohl aber zwischen Stallknecht, selbst Stallmeister und
Ritter; - was die Verwandtschaft mit Michaeln beträfe, so hätte er nichts
dagegen und bleibe ihm sein Recht gegen Michael ausdrücklich vorbehalten; doch
sollte er nie vergessen, dass Michael zu den Füßen Gamaliels gesessen und dass
sein vermeintlicher Vetter seine Holzbündel von Reden, seitdem er in Gegenwart
des Herkules ungebührlich an die Rosentalsche Nottaufe zu denken sich
herausgenommen, so sein und künstlich zu legen verstände, dass zwischen Michaels
und des Stallknechts Seele keine Verwandt- und Vaterschaft wäre, auf die es fast
eben so viel als auf die leibliche ankäme. Da der Stallknecht von diesen
übrigens ganz planen Entscheidungsgründen in der zweiten Instanz nichts
verstand, so ging er gerechtfertigt zu seinen Pferden; auch nahm sich der Bruder
des hohen Lichts, den er die Pferde notreiten lassen, seiner nicht weiter an,
da das Gerede schon lange ging, der Baron würde nicht lange mehr in -
                                    §. 101.
                                    wo denn?
bleiben. Nicht diese Frage, sondern die Ursache zu derselben liegt mir zu
beantworten ob. Freilich verliert die Geschichte an Leben und Individualität,
wenn man dergleichen Umstände nicht handgreiflich bestimmt und Stelle und Ort
führen geraden Weges, wenn man so sagen darf, in eine gegenwärtige Sache. Doch
kann ich einesteils die Grenzen meines Auftrages nicht überschreiten, da ich
ein Feind von allen, besonders aber von Grenzstreitigkeiten bin, andernteils
halte ich dies heilige Dunkel der gegenwärtigen Geschichte nicht unangemessen,
welche durch mehr Klarheit viel von ihrem innern Licht einbüßen würde. Der
                                    §. 102.
                                        
                                    Abschied
von Freund Bruder Johannes war zärtlich - und vernünftig. Es gibt Zärtlichkeit,
geheiligt durch die Vernunft. Die Vernunft überhaupt erleuchtet, heiligt und
erhält, das Herz beruft. - In Wahrheit es verdiente Johannes um so mehr Achtung
und Liebe, da er den Orden nie als Mittel missbrauchte, zu seinem Zweck zu
gelangen, selbst nicht als Nachhülfe des Mittels. - -
    Johannes war zu bescheiden, um seinen Freund zu befragen: wohin? und sein
Freund zu gewissenhaft, ihm
