. Ist der Mensch allein,
so kann an ihm nicht erscheinen, was er sein wird und sein kann; wir wissen
aber, dass in Gesellschaft, wo sich seine Bedürfnisse vermehren oder
vervielfältigen, seine Bestimmung fortgeht - zur Unsterblichkeit. Seine
physische und seine moralische Einschränkung wird gehoben. - Der Mensch ist
sterblich, das Geschlecht ist ewig. - Seine Privatwerke sind hinfällig, seine
publiken trotzen der Zeit. - Bereinigung gibt Kräfte, Mut und neues Leben, die
Tugend zu befördern und das Laster zu stürzen. Die ganze Schule muss gemacht, der
ganze Kreis muss einmal durchlaufen, es muss alles nicht bloß dogmatisch
begriffen, sondern praktisch geübt werden, um endlich aus Ziel zu kommen. Das
Kind, das gehen lernt, setzt sich der Gefahr aus, zu fallen, und sollten die
Verstandeserweiterungen auch wirklich zunächst unangenehme Folgen haben, -
sollten! scheinen diese Folgen nicht vielleicht bloß so? Wären sie aber auch
wirklich Übel, krönt nicht bloß das Ende das Werk? Können wir Böses tun, damit
Gutes daraus werde? Sollen wir darum nicht Gutes tun, weil wir den Missbrauch
nicht hindern können? Nicht Weizen säen, damit kein Unkraut wachse? Warum nicht
lieber sichten als nicht ernten? Man lasse Unkraut und Weizen wachsen und bemühe
sich, dem Unkraut zu steuern; sicher steht uns eine gesegnete Ernte bevor. -
Mängel und Übel sind weder von unserer Existenz, noch von unserer Koexistenz zu
trennen. - Wie? wenn in der Loge der subtile Faden der Ariadne gesponnen würde,
welcher nicht den Teseus, sondern den Staat, nicht den einzelnen Menschen,
sondern die Gesellschaft durchs Labyrinth führt? Man kann der Vernunft in
Koexistenz nie zu viel, oft aber wohl zu wenig zumuten. Der weise Stufengang
zum Ziel der Menschheit erfordert, dass die Koexistenz in der Gesellschaft, wenn
man so sagen darf, inniger und vertrauter werde, dass man die Menschen sich näher
bringe; und wäre dies der Zweck der Maurerei, die in ihren Vorhof, in ihr
Heiliges und ihr Allerheiligstes alle Arten von Menschen aufnimmt und mit und
unter einander bekannt, oft gar vertraut macht, welch eine Aussicht -! Es gibt
Geschäfte, die einen bessern Umgang gewähren, als Bekannte und eine gewisse Art
Freunde. - Aechte Freundschaft gibt das Zutrauen, sein Geheimnis und sich selbst
in seines Freundes Herz und Seele zu deponiren. Das hauptmännische Wort
Erkenntlichkeit ist Todsünde in echter Freundschaft; doch gibt's Stiefliebe und
Stieffreundschaft, bei der Geld borgen der Sand ist, auf den ein Tempel der
Freundschaft gebaut wird!
                            Die fünfte Vorbereitung.
    Das ganze menschliche Geschlecht auf einmal verbessern wollen, heißt Utopien
einrichten und einen Konvent zur Konstitution der platonischen Republik zusammen
berufen. - Ohne Wissenschaft, auf bequemern
