 besetzten Koncerte, wo
man, beim Geräusch der stärkeren Instrumente, die Violinisten zwar spielen
sehen, nicht aber hören kann. - Der Gastvetter, der den herrlichsten
Seelenhonig, wenn gleich auch manchen Seelenstachel, in Rosental zurückließ und
dessen Sache so wenig das leere Fach der Titulatur oder Spekulation war, dass er
vielmehr im Ganzen alles ganz herrlich einzugliedern verstand, machte mich auf
die Instrumente der Wünsche aufmerksam, welche die Menschen so ganz verschieden
spielen. Wünsche, Michael, sind nichts mehr, nichts weniger, als Gebete, mit dem
Unterschiede, dass der liebe Gott Gebete hören soll, Wünsche aber nicht. Gelt! -
Gamaliel war nicht anderer Meinung? - Wünsche nimmt sich der Mensch so wenig
übel, dass man ihn eben dadurch, im gemeinen Leben, fast handgreiflich fasst. -
Diese Wünschelrute, die mir der Gastvetter behändigte und die mir bis jetzt
noch um richtigsten schlug, habe ich, um Menschen zu kennen, in Gegen gebraucht.
Kannst du glauben, dass der wahre Geizhals sich selbst nicht viel wünscht?
    Andern gewiss noch viel weniger, fiel Michael ein.
    Nicht anders, erwiderte der Junker.
    Vielleicht aus Neid? sagte Michael.
    Aus Geiz.
    O des Toren!
    Neid und Geiz sind oft nahe, oft sehr entfernt verwandt, was ich dir aber
sage, aus purem Geiz.
    Mit Ew. Gnaden Erlaubnis scheint mir dieser Eingang der Frage, die
beantwortet werden soll, nicht günstig zu sein! Wie wär's, wenn wir diese Frage
auf eine gelegenere Zeit aussetzten?
    Freilich würde Nachdenken uns hier und da auf etwas bringen, das sich
vielleicht besser hören ließe, was aber nicht aufrichtig genug wäre. - Zum
Lippendienst, zur Herzentfernung.
    Wie Ew. Gnaden befehlen.
    Unser Herr und Diener hatten sich einmal vom Ziel entfernt und konnten aus
der Materie, warum der Mensch so sehr zur Heuchelei geneigt wäre, nicht
herauskommen. - Dass selbst elende, von Grund aus böse Menschen, wenn sie mit
ihren Helfershelfern einen Rat halten, sich die Schädlichkeit ihrer
eigentlichen Absicht zu beschönigen Mühe geben; und dass, wenn gleich jeder
dieser elenden, von Grund aus bösen Menschen und ihrer Helfershelfer, weiß, die
angegebene sei nicht die wahre Absicht, man doch nach dem Scheine buhlt: - war
beiden ein Wort zu seiner Zeit.
    Wehe über den Heuchler, sagte der Diener.
    Warum denn? der Herr.
    Weil er heuchelt!
    Willst du denn, dass er so sich zeigen soll, als er ist?
    Allerdings.
    Können sich aber, selbst unter seinen Spiessgesellen, nicht einige finden,
die weniger böse sind, die durch die Offenheit ärger noch würden, als sie waren?
    Schwerlich! viel, kann's hier nicht zu verderben
