 ihm nachjagen, ob sie es
auch ergreifen würden.
    »Was hat ihm diese gute Meinung beigebracht? - Menschen sind wie Bäume; aus
ihren Früchten muss man sie erkennen. Kann man auch Feigen lesen von den Dornen,
und Trauben von den Disteln?«
    Sollt' er seinen Eltern und denen nicht trauen, deren Herzen sich noch näher
sind als ihre Besitzungen? - Nur die Zeit bringt Rosen. - Zwar ist das Leben
kurz; doch langsam reifen die Früchte des Guten. Unreife, zu frühzeitige Früchte
brachten in der moralischen Welt von jeher den unwiederbringlichsten Schaden.
Eva wollte Erkenntnis des Guten und Bösen so leicht erlangen, als einen Apfel
essen, und verlor das Paradies, das wegen dieser Vorschnelligkeit nicht anders
als durch den langsamen Weg der Tugend zurück zu bringen ist.
    »Ist dem also, was verlohnt es, dass der Mensch den rauen Weg zum Guten
antritt?«
    Ist es nicht besser, den Garten anzulegen, den Baum zu pflanzen, als unter
dem Schatten eines wohltätigen Baumes sich hinzustrecken und geradezu in Eden
eingeführt zu werden? Hätten Adam und Eva das Paradies allmählig gepflanzt, sie
wären nicht gefallen. - Damit die Menschen die Erde zum Paradiese machen
möchten, wurden Adam und Eva nackt, bloß und arm in sie hineingestossen. - In
eben den Zustand, in welchem wir auf die Welt kommen, sahen Adam und Eva sich
versetzt und zu diesem Kinderspiele verurteilt! - Tiere arbeiten ohne
Rücksicht auf ihre Gattung; wir für das Menschenall. - So wie jene mit Adam und
Eva aus dem Paradiese, oder mit der Familie Noahs aus dem Kasten gingen, so sind
sie auch noch leib- und seelhaftig; allein der Mensch - was ist aus ihm nicht
geworden! - was wird aus ihm nicht noch werden! - Der Mensch wirkt auf die
Menschheit, und die Menschheit wirkt zurück auf den einzelnen Menschen. Von sich
selbst denke der Mensch so klein, von der menschlichen Natur so groß als
möglich! - Das Gute, das wir tun, lebt von nun an bis in Ewigkeit. - Halleluja!
    »Der Tod soll hinfort darüber nicht herrschen, Halleluja.«
    
    Halleluja.
    »Was der Mensch vermag, kann er nur durch die Anstrengung seiner Kräfte
erfahren; was die Menschheit vermag, wer hat dies Ziel gemessen? Arcane und
heimliche Mittel sind verdächtig; Verschwiegenheit ist für jeden Mann, für jedes
Weib nötig, welche die Ehre haben wollen, Mann und Weib zu sein.«
    Wahrlich, eine große Ehre!
    »Viele Menschen sind durch Reden unglücklich geworden; durch Schweigen wird
es niemand. - Will man jemand um Verzeihung bitten, ihn bewundern - ehren,
lieben, verachten, ihm vergeben, - wie weit stehen Worte
