 hohem
Sinn - ist es dann der höchsten Vernunft selbst eine Schande, sich mit Poesie zu
verbinden? Kann es der ganzen christlichen Lehre zum Vorwurf gereichen, wenn sie
die Dichtkunst der Vernunft genannt wird? Diese Bemerkungen eröffnen von selbst
ein Feld zur schönen Nutzanwendung. Alles in der Natur, außer dem Menschen, geht
müßig, es sei denn, dass der Mensch es anstrengt; und dann arbeiten Ochse, Pferd
und Esel nicht für sich, sondern für den Menschen; der Mensch allein ist der
Arbeiter im Weinberge der Natur und der Sittlichkeit. An ihm kann man sehen, was
Königen obliegt, wenn sie diesen Namen verdienen. - Der König der Erde, der
Mensch, hat gewiss nicht Zeit, wenn er treu ist in seinem Berufe, sich mit
brodlosen Künsten abzugeben, sich für Spottgeld, für Schandbote zu verkaufen,
und über Klingklang seine Regierungsgeschäfte zu versäumen. Wer verlangt aber
auch von ihm, dass er das Dichterhandwerk treibe? Es ist genug, dass er Dilettant
sei. - Bei diesem Wegweiser wird der Mensch gerade so viel wie die Dichtkunst
gewinnen. Allerdings bleibt der Mensch der Nachschöpfer auf Gottes Erdboden; und
wohl ihm, wenn er fleißig ist, in guten Werken zu trachten nach dem ewigen
Leben! - Sein diesseitiges Leben soll nicht künstliche Irrungen, nicht
unvorgesehene Begebenheiten, nicht verschlungene gordische Knoten und
kunstreiche Auflösungen, selbst nicht pompreiche, mit Philosophie stark gewürzte
Sentenzen, nicht Lippengrundsätze enthalten; eine lange einfache Handlung ist
sein Wandel, der sicher und fest zum Ziele fortschreitet. - Das sind Werke in
der moralischen Welt, in der unsichtbaren Kirche, in Jerusalem, welches, mit Ew.
Hochwürden Erlaubnis, nicht von Menschenhänden gemacht ist. Wer kann zum
moralischen Erdenchaos sprechen: Es werde Licht! - Vorbehalten ist es dem
Menschen, vermittelst des Lichtes der Vernunft die sechs Tagwerke allmählig
hervorzubringen, bis der Sabbat einbricht, der Tag der Ruhe! Das tausendjährige
Reich - der Zustand, da Engel und Menschen sich wechselweise besuchen werden.
Eva, wären wir da! Seelenweide! Herzensfreude! Himmlisch Manna! Halleluja,
Hosianna!
                                        
                                        
                                        
    Hosianna, rief die Ritterin auf, ohne dass ein Blitz zu sehen, ein Knall zu
hören war, und eine Fluch-oder Gnadentür sich auftat. Der Ritter reichte ihr
aus Beifall die Hand. - A B C wiederholte das mütterliche Hosianna. - Und gilt
dies etwa dem unvorgreiflichen Vorschlage des zu Gebet, Gesang und Dienst
verbundensten Dieners? Nimmermehr! Die Ritterin fühlte seine Weitschweifigkeit
so gut, wie wir. Dem Gastvetter galt es, der durch so manche gute und böse
Gerüchte in Rosental gegangen war; ihm und seiner Behauptung:
        »Dass Poeten das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit in den Anfang der
        Welt, Philosophen
