 - Man lasse sie ihm! - Selbst
allgemeiner Geschmack - wäre er wünschenswert? Mode ist in vieler Rücksicht die
Losung des menschlichen Geschlechts; sie weiß dem Alter einen neuen Anstrich zu
geben und Abwechslung, sonach auch Vergnügen in das Leben zu bringen - und wenn
gleich wenig, so doch etwas zum Fortschreiten der Menschheit beizutragen. Wer
Aufklärung anders als das Salz braucht, kennt die Menschen nicht. Salz ist ein
gut Ding. Was ist indes unerträglicher: versalzen oder ungesalzen? - So wie
unsere Erde um die Sonne läuft und sich um sich selbst dreht, so geht es mit dem
Menschengeschlecht und mit dem einzelnen Menschen. Die Menschheit war, ist und
bleibt immer dieselbe; sie wird immer um die Sonne laufen, und so sind ihr
verschiedene Jahreszeiten eigen. Es wartet ihrer Frühling und Sommer, den sie
noch nicht erlebt hat (excipe das Paradies, wo nur ein Paar den Genuss hatte); im
Herbst ist sie jetzt und auf ihn folgt Sommer. Der Frühling, als das Summum, ist
das tausendjährige Reich der schwärmenden Prosaisten und der ewige Frühling der
schwärmenden Dichter! - Jeder einzelne Mensch dreht sich um sich selbst. -
Immerhin, wenn er nur seinen größeren Lauf dabei nicht vernachlässigt! Ein andrer
Tag aber ist ein Winter-, ein andrer Tag ein Herbst-, ein andrer ein Sommertag.
Ein gemilderter Frühlingstag ist von allen der beste: ein Sonn-, ein Festtag!
Wer dies Bild nicht schmecken und sehen kann, wird der fassen, was für Beziehung
allgemeine Aufklärung auf die Tugend und den Seelen- und Leibeszustand des
einzelnen Menschen hat? - Mehr Verstand, mehr Wille, mehr Treue, mehr Glaube
heißt darum nicht: lauter Verstand, lauter Wille, lauter Treue, lauter Glaube. -
Summa: jede Freude muss mit edlem Schmerz, jeder Schmerz mit einer Art von
Freude, jede Vernunft mit Einfalt, jeder Glaube mit Zweifel gewürzt werden,
sonst fehlt überall der Reiz. - Das Ende vom Liede: ist es nicht ein andres
Ding, den Menschen zu epitomiren und zu paraphrasiren, ihn tanzen, gehen,
stehen, sitzen zu lassen und so weiter? Es kommt viel und alles darauf an, wie
er gestellt wird. Im Grunde denkt, spricht, handelt der Fürst so wie der Bauer;
nicht sie, sondern die Stellung ihres Körpers ist verschieden. - Der leidige
Körper! ist er uns doch immer im Wege! und doch - wer gibt ihn weg um wie
vieles! - Die Stellung des Körpers macht Provinzen und Kohlgärten, macht
Fürstentümer und Meierhöfe, ändert Ausdruck, Sitten und Ton. Sonst sind wir uns
im Leben so gleich, wie im Tode!
    Nach diesen Aus- und Einschweifungen ward per Dekretum
