. - Gemeiniglich sind Monarchen und die
Verweser (die vornehme Klasse des Volkes), die nur sich unter einander kennen
lernen, sehr schlechte Menschenastronomen. Auch tut freilich das Sehen bei der
Astronomie es nicht allein, das Rechnen tuts! - - In der Gesellschaft zeigt
jeder einzelne Mensch nur ein Pröbchen, wie Krämer von Seiden- und Wollenzeugen.
- Eine artige Gesellschaft ist eine Probekarte; - wie verschieden ist das ganze
Stück von diesen Pröbchen! Wer aus Gesellschaften Menschen abzieht, bekommt
nicht sie, sondern ein kleines Etwas von ihnen; und wie lernst du deinen Obern,
deinen Freund, deinen Diener kennen? Wenn sie sich raufen? Wenn sie in Wut und
Verzweiflung sind? Wenn sie sich in sanfterm Lichte zeigen, wenn sie lachen,
wenn sie weinen, wenn sie nüchtern, wenn sie voll süßen Weins sind, oder wenn
sie sich selbst vergessen, wenn sie zusammen fallen, wenn sich ihre Seelen
ausziehen und zu Bette gehen wollen? Beobachter, die sich des Trunks bedienen,
um Freunde und Feinde kennen zu lernen, sind auf unrichtigen Wegen. - Wie
verschieden wirkt der Trunk! wie verschieden das Getränk! Legt man es auf
einzelne Dinge an, so kann man vielleicht seinen Zweck erreichen; - den ganzen
Menschen auf diese Probe bringen heißt: im Heiligenschein Tugend suchen, im
Ernst die Weisheit, im Lachen den Witz und auf der Tortur die Wahrheit - Der
Trunk besticht die Seele. Gastmahle, gute Worte sind geistige Torturen. Man kann
hier und da durch dergleichen peinliche Fragen einen Umstand herausbringen - ex
omnibus aliquid, ex toto nihil. - Staaten sind wie Kinder, und man behandelt sie
auch so. Wenn sie ganz klein sind, erzählt man Wunderdinge von ihnen. Was die
Kinder nicht alles wissen und verstehen! - Wenn der Verstand zu reifen, wenn die
Staaten sich zu setzen anfangen, wenn sie älter und größer werden, geht es, wie
es immer ging: was reif ist, nimmt ab. Unreife Früchte sind noch besser als
überreife; jene macht man in Zucker ein, das Überreife ist völlig unbrauchbar.
- So wie viele (vielleicht die besten) Menschen nur nach ihrem Tode berühmt
werden, so auch Völker. Nie werden Handlungen schlechter erzählt als den Tag
nachher, wenn sie geschehen sind; an dem Handlungstage selbst ist jeder von
seiner Handlung betrunken. Der Held weiß gerade am wenigsten von seiner Tat;
und in Wahrheit, nicht er, sondern die Sache muss reden. - Heißt das aber nicht
die Folge? - Beim Volke zwar, allein auch beim Weisen, beim denkenden Manne? Wer
kann für die Folgen stehen? Nur Tyrannen lassen sich die Folgen verbürgen. - Der
Hergang der Sache wird, anstatt
